Julia Jentsch

In diesem Artikel
- Wer ist Julia Jentsch?
- Wie wurde aus der Berlinerin eine Schauspielerin?
- Mit welchen Filmen wurde Jentsch bekannt?
- Welche Rollen prägten die Jahre nach Sophie Scholl?
- Warum war 24 Wochen ein Wendepunkt?
- Welche Serienrollen kennt man von Jentsch?
- Welche Preise hat Jentsch gewonnen?
- Was macht Jentsch heute?
- Häufige Fragen zu Jentsch
- Weiterlesen auf Sharp Magazine
- Quellen
Wer ist Julia Jentsch?
Jentsch zählt seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den prägenden Schauspielerinnen des deutschen Films. Sie arbeitet gleichermaßen für die Bühne, das Kino und das Fernsehen und wechselt mühelos zwischen Historienfilm, Drama, Thriller und Serie. Ihr Markenzeichen ist ein leises, genaues Spiel: Statt großer Gesten setzt sie auf Zurückhaltung, mit der sie auch schwierige Figuren glaubwürdig macht. Der Durchbruch gelang ihr 2004 mit Die fetten Jahre sind vorbei, ein Jahr später wurde sie als Sophie Scholl international bekannt.
Dem breiten Publikum ist Jentsch vor allem durch drei Arbeiten im Gedächtnis geblieben: als Jule in Die fetten Jahre sind vorbei, als Sophie Scholl in Sophie Scholl – Die letzten Tage und als Ermittlerin Ellie Stocker in der Sky-Serie Der Pass. Dazu kommen feste Fernsehrollen, die sie über Jahre begleiten – von den Ostfrieslandkrimis bis zur Hauptfigur der Miniserie Das Verschwinden. Dieser Überblick ordnet ihre wichtigsten Filme, Serien und Preise ein und beantwortet die Fragen, die Zuschauer am häufigsten stellen.
Wie wurde aus der Berlinerin eine Schauspielerin?
Jentsch wuchs in Berlin auf und besuchte die Wald-Oberschule in Berlin-Westend, an der sie 1997 das Abitur bestand. An dem sportorientierten Gymnasium trainierte sie Rudern, Handball und Judo. Danach erhielt sie ihre Schauspielausbildung von 1997 bis 2001 an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Schon 1995 stand sie auf der Bühne und spielte die Orphise in Die Lästigen von Hugo von Hofmannsthal.
Ihr erstes Theaterengagement führte Jentsch an die Münchner Kammerspiele; dort war sie von 2001 bis 2006 Mitglied des Ensembles. Sie spielte dort Hauptrollen in den Theaterstücken Antigone, Die Nibelungen, Die zehn Gebote und Othello, in dem sie die Desdemona verkörperte. Weitere Stationen waren das Thalia Theater Hamburg und das Schauspielhaus Zürich. In Zürich spielte sie 2009 die Barbara Undershaft in Major Barbara unter Peter Zadek und 2013 die Maggie in Die Katze auf dem heißen Blechdach unter Stefan Pucher.
Neben den großen Klassikerrollen übernahm Jentsch am Theater auch sperrige Gegenwartsstücke. An den Münchner Kammerspielen spielte sie unter anderem die Marion in Dantons Tod, die Elektra in der Orestie, die Lulu in Lulu live und die Helene in Vor Sonnenaufgang. Diese Bühnenjahre prägten ihren Stil: genau im Text, zurückhaltend in der Geste und stark in stillen Szenen. In den folgenden Jahren verlagerte sich ihr Schwerpunkt zum Film und Fernsehen, ohne dass sie die Bühne ganz verließ.
Schon vor dem Kammerspiele-Engagement sammelte Jentsch Bühnenerfahrung: 1996/97 spielte sie das Gretchen in Urfaust an der Freien Bühne Witzleben, dazu eine Rolle in Die Perser am bat Berlin. 2000 folgte die Julia in Blaubart – Hoffnung der Frauen am Maxim-Gorki-Theater Berlin. Für Die Perser erhielt sie 2000 den Max-Reinhardt-Preis, 2002 wählte sie die Zeitschrift Theater heute zur besten Nachwuchsschauspielerin.
Mit welchen Filmen wurde Jentsch bekannt?
Ihr Kinodebüt gab Jentsch im Jahr 2000 in Zornige Küsse. Der Durchbruch folgte 2004 mit Hans Weingartners Die fetten Jahre sind vorbei, in dem sie an der Seite von Daniel Brühl und Stipe Erceg die Jule spielte. Der Film lief 2004 im Wettbewerb von Cannes – als erste deutschsprachige Produktion seit 1993 im Rennen um die Goldene Palme – und wurde dort mit Standing Ovations gefeiert. Für ihre Darstellung erhielt Jentsch den Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin.
Ihre ersten Kinorollen zeigen bereits die Richtung: In Zornige Küsse (2000) spielte sie die Katrin, in Julietta – Es ist nicht wie du denkst (2001) die Nicole und in Mein Bruder der Vampir (2001) die Nadine. Drei sehr unterschiedliche Figuren in nur zwei Jahren – und ein Vorgeschmack auf die Wandlungsfähigkeit, die später ihre Karriere prägen sollte.
Im selben Jahr war Jentsch in einer kleinen Rolle in Der Untergang zu sehen, wo sie die Hanna Potrowski spielte. 2005 folgte Schneeland, in dem sie die Ina verkörperte. Doch die Rolle, die ihre Karriere veränderte, kam ebenfalls 2005: In Marc Rothemunds kammerspielartigem Drama Sophie Scholl – Die letzten Tage spielte sie die stille, ernste und willensstarke Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Der Film wurde für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.
Für die Sophie Scholl erhielt Jentsch auf der 55. Berlinale den Silbernen Bären als beste Schauspielerin, dazu den Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin und den Europäischen Filmpreis als beste Darstellerin. Die Rolle selbst bezeichnete sie später als eine Ehre für sie. Mit dieser dreifachen Auszeichnung gehörte sie schlagartig zu den gefragtesten Darstellerinnen des deutschen Kinos – und die Figur der Sophie Scholl blieb bis heute ihre bekannteste Rolle.
Welche Rollen prägten die Jahre nach Sophie Scholl?
Nach dem Sophie-Scholl-Erfolg folgten unterschiedliche Stoffe. 2006 spielte sie in Jiří Menzels Ich habe den englischen König bedient die Líza und bewies damit auch international ihre Wandlungsfähigkeit. 2008 folgte 33 Szenen aus dem Leben, in dem sie die Julia verkörperte. 2009 war sie in der Titelrolle von Hermine Huntgeburths Literaturverfilmung Effi Briest zu sehen und im selben Jahr in Tannöd als Kathrin.
2012 übernahm Jentsch zwei unterschiedliche Rollen: In Hannah Arendt spielte sie die Lotte Köhler, in Der Fall Wilhelm Reich die Eva Reich. 2014 spielte sie in dem Fernsehfilm Die Auserwählten unter der Regie von Christoph Röhl eine junge Lehrerin, die Ende der 1970er-Jahre an der Odenwaldschule einem Netzwerk pädophiler Lehrer auf die Spur kommt. Von 2014 bis 2015 war sie außerdem in der Krimireihe Kommissar Marthaler in drei Filmen zu sehen: Partitur des Todes, Ein allzu schönes Mädchen und Engel des Todes.
Neben den Kinorollen blieb Jentsch auch im Fernsehen präsent. Schon 2001 war sie in einer Folge von Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen zu sehen, 2003 in der Fernsehfilmreihe Bloch in Tausendschönchen und 2004 in der Tatort-Folge Bitteres Brot, in der sie die Johanna Kemmerlang spielte. 2007 spielte sie in Frühstück mit einer Unbekannten die Angelina Franke, 2010 in Hier kommt Lola! die Vicky, 2011 in Die Summe meiner einzelnen Teile und 2013 in Kokowääh 2 die Mutter von Nick.
Zu ihren frühen Fernseharbeiten zählen außerdem Julietta – Es ist nicht wie du denkst (2001), Mein Bruder der Vampir (2001) und der Fernsehfilm Und die Braut wusste von nichts (2002). Auch in der Fernsehserie Die Verbrechen des Professor Capellari war sie 2001 in zwei Folgen zu sehen, ebenso in dem Fernsehfilm Die Erpressung – Ein teuflischer Pakt (2001).
Auch als Sprecherin arbeitete Jentsch: 2011 wirkte sie im BR-Hörspiel Egzon von Björn Bicker mit, 2011/12 in Die Abschaffung der Arten nach Dietmar Dath. Beide Produktionen entstanden für das BR-Hörspiel und Medienkunst und sind im BR Hörspiel Pool als Podcast und Download verfügbar.
Warum war 24 Wochen ein Wendepunkt?
2016 war Jentsch gleich in drei Kinofilmen zu sehen: In Auf einmal spielte sie die Laura, in Die Habenichtse die Isabelle und in 24 Wochen die Astrid. Die drei Rollen in einem einzigen Jahr zeigen die Breite ihres Spektrums.
In dem 2016 entstandenen Kinodrama 24 Wochen spielte Jentsch eine werdende Mutter, die vor dem Gewissenskonflikt steht, ihr behindertes Kind auf legale Weise in der 24. Schwangerschaftswoche abzutreiben. Der Film feierte seine Weltpremiere auf der Berlinale 2017. Für ihre Darstellung wurde Jentsch erneut für den Deutschen Filmpreis nominiert, diesmal als beste Hauptdarstellerin. Im selben Jahr wurde sie in die Wettbewerbsjury der 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin berufen.
Julia Jentsch übernahm mit der Rolle eine Figur, die keine einfachen Antworten zulässt. Der Film verzichtet auf Zuspitzung und zeigt stattdessen ein Paar, das eine Entscheidung treffen muss, die es eigentlich nicht treffen will. Jentsch spielt die Astrid zurückhaltend und ohne Pathos.
Welche Serienrollen kennt man von Jentsch?
2017 war Jentsch in der vierteiligen ARD-Miniserie Das Verschwinden in der Hauptrolle der Michelle Grabowski zu sehen. Für ihre Darstellung erhielt Jentsch 2018 den Deutschen Fernsehpreis als beste Schauspielerin und den Bayerischen Fernsehpreis als beste Darstellerin in der Kategorie Fernsehfilm, Serien und Reihen.
Von 2018 bis 2023 spielte Jentsch in der Sky-Serie Der Pass in drei Staffeln und 24 Folgen die Ermittlerin Ellie Stocker. Die Serie ist international auch unter dem Titel Pagan Peak bekannt, wurde für den Deutschen Fernsehpreis als beste Drama-Serie ausgezeichnet. Von 2020 bis 2022 war Jentsch außerdem in der Filmreihe Ostfrieslandkrimis zu sehen, mit den Filmen Ostfriesengrab, Ostfriesenangst und Ostfriesensühne.
Welche Preise hat Jentsch gewonnen?
Jentschs Auszeichnungen spiegeln ihre ganze Bandbreite: Sie reichen vom Max-Reinhardt-Preis für die Bühne über den Silbernen Bären für Sophie Scholl bis zum Deutschen Fernsehpreis für Das Verschwinden. Die folgende Auswahl zeigt die wichtigsten Preise und Nominierungen.
Was macht Jentsch heute?
Neben den großen Serienrollen blieb Jentsch auch im Kino präsent. 2019 spielte sie in Frau Mutter Tier die Nathalie und in Waren einmal Revoluzzer die Helene. 2020 war sie außerdem in Lindenberg! Mach dein Ding als Hermine Lindenberg zu sehen. 2021 war sie in Monte Verità – Der Rausch der Freiheit zu sehen, 2023 in 8 Tage im August als Helena. 2024 drehte sie die Prime-Video-Serie Drunter und Drüber, in der sie die Ursula Fink spielt. 2025 war sie in Was Marielle weiß als Julia zu sehen; der Film lief im Wettbewerb der 75. Berlinale.
Auch 2025 und 2026 bleibt Jentsch vielbeschäftigt: Für Drunter und Drüber wurde sie 2025 für die österreichische Romy als beliebteste Schauspielerin im Bereich TV und Streaming nominiert. Für 2026 ist außerdem der Kinofilm Staatsschutz verzeichnet, in dem sie die Alexandra Tiedemann verkörpern wird.
Sie ist seit 2012 mit dem freischaffenden Künstler und Persönlichkeitstrainer Christian Hablützel verheiratet. Das Paar lebt zusammen mit der gemeinsamen Tochter in einem Dorf in der Nähe von Zürich. Bei öffentlichen Auftritten ist sie vor allem für ihre Filme präsent – etwa auf der Berlinale, wo sie 2017 in der Wettbewerbsjury saß und 2025 mit Was Marielle weiß im Wettbewerb vertreten war.
Julia Jentsch bleibt auch mit 48 Jahren eine der verlässlichsten Darstellerinnen des deutschen Films und Fernsehens. Ihre bekanntesten Filme und Serien finden Sie in der Filmografie oben – von Die fetten Jahre sind vorbei über Sophie Scholl – Die letzten Tage bis zu den Serien Das Verschwinden und Der Pass.
Häufige Fragen zu Jentsch
Wie alt ist Julia Jentsch?
Jentsch wurde am 20. Februar 1978 in West-Berlin geboren und ist damit 48 Jahre alt (Stand: Oktober 2026).
Woher kommt Jentsch?
Jentsch kommt aus Berlin. Sie wuchs in der Stadt auf, besuchte die Wald-Oberschule in Berlin-Westend und studierte Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin.
In welchen Filmen spielte Jentsch mit?
Zu ihren bekanntesten Filmen zählen Die fetten Jahre sind vorbei (2004), Der Untergang (2004), Sophie Scholl – Die letzten Tage (2005), Effi Briest (2009) und 24 Wochen (2016). Die vollständige Auswahl steht in der Filmografie oben.
Welche Serienrollen hat Jentsch?
Jentschs wichtigste Serienrollen sind Michelle Grabowski in Das Verschwinden (2017), Ellie Stocker in Der Pass (2018–2023) und eine Hauptrolle in den Ostfrieslandkrimis (2020–2022).
Wo lebt Julia Jentsch?
Jentsch lebt mit ihrem Ehemann Christian Hablützel und der gemeinsamen Tochter in einem Dorf in der Nähe von Zürich in der Schweiz. Zuvor lebte sie viele Jahre in Berlin.
Warum gilt Jentsch als Sophie-Scholl-Darstellerin?
Weil sie 2005 in Sophie Scholl – Die letzten Tage die Widerstandskämpferin verkörperte und dafür den Silbernen Bären, den Deutschen Filmpreis und den Europäischen Filmpreis gewann. Der Film wurde zudem für den Oscar nominiert.
Weiterlesen auf Sharp Magazine
- Diane Kruger Filme und Serien: Filmografie, Biografie und Auszeichnungen
- Moritz Bleibtreu Filme und Serien: Filmografie, Durchbruch und Karriere im Überblick
- Nora Tschirner Filme und Serien: Filmografie, Tatort und Karriere im Überblick
- Heino Ferch
- Benno Fürmann
- Matthias Schweighöfer Filme und Serien: Filmografie und Karriere im Überblick



Kommentare