Udo Kroschwald: Biografie, Karriere und 529 Folgen als Jan Reuter bei SOKO Wismar
Udo Kroschwald ist seit Oktober 2004 das Gesicht der ZDF-Krimiserie SOKO Wismar: Als Erster Kriminalhauptkommissar Jan-Hinrich Reuter leitet er die Dienststelle in der Hansestadt und ist das einzige Ensemblemitglied, das seit der allerersten Folge ohne Unterbrechung dabei ist. Hinter der Figur steckt eine lange Karriere, die in Freiberg begann, über die Theaterbühnen von Magdeburg, Stendal und Berlin führte und ihn in internationale Kinoproduktionen brachte – unter anderem in Roman Polanskis Oscar-gekröntem Film „Der Pianist“.

In diesem Artikel
- Vom Elektrotechnik-Studenten zum Schauspieler
- Theater: Magdeburg, Stendal und das Deutsche Theater Berlin
- Filmkarriere: vom DEFA-Debüt bis nach Hollywood
- Jan Reuter: das Gesicht von SOKO Wismar
- Hörspiele und Synchronarbeit
- Privatleben: die Familie Poolman
- Filmografie (Auswahl)
- Häufige Fragen
- Weiterlesen auf Sharp Magazine
- Quellen
Vom Elektrotechnik-Studenten zum Schauspieler
Udo Kroschwald wurde im April 1955 in Freiberg in Sachsen geboren und wuchs in der DDR auf. Ein exakter Geburtstag ist nicht öffentlich bekannt. Seine Familie war handwerklich geprägt: Sein Vater arbeitete als Dreher, ein Großvater war Schmied, der andere Steinmetz in der Lausitz. Von der Schauspielerei war der junge Kroschwald zunächst weit entfernt – nach dem Abitur schrieb er sich für ein Elektrotechnik-Studium in Dresden ein, mit Schwerpunkt Kybernetik, einem frühen Vorläufer der Informatik.
Doch der Weg in einen technischen Beruf blieb eine Episode. Kroschwald arbeitete danach als Eisenbahner, als Tanzmusiker und als Bühnenarbeiter und spielte Gitarre in einer Band. In der DDR waren Verstärker und Mischpulte kaum zu kaufen, also baute er sich die Geräte am liebsten selbst. Entscheidend wurde die Studentenbühne der Technischen Universität Dresden: Dort entdeckte er die Schauspielerei für sich. In den Semesterferien zog er mit Pferd und Wagen durch das Erzgebirge und das Elbsandsteingebirge und spielte Shakespeare in Gaststätten – Theater ohne Bühne, direkt vor dem Publikum.

Privat fiel in diese Zeit ein Einschnitt, der sein Leben in zwei Richtungen zugleich veränderte: 1980 wurde seine Tochter geboren – er war damals 24 Jahre alt und die Beziehung nur von kurzer Dauer. Fast gleichzeitig traf die Zusage der Schauspielschule in Leipzig ein. Vater werden und Schauspieler werden begannen für ihn im selben Moment. 1984 schloss er seine Ausbildung an der Theaterhochschule Leipzig ab.
Theater: Magdeburg, Stendal und das Deutsche Theater Berlin
Sein Filmdebüt gab Kroschwald 1985 im DEFA-Film „Der Haifischfütterer“ von Erwin Stranka. Doch die Bühne blieb zunächst sein Zuhause: Nach ersten festen Stellen an den Theatern in Magdeburg und Stendal wechselte er an das Deutsche Theater Berlin. Dort war er bis 2001 festes Ensemblemitglied und stand unter anderem in Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ und in „Othello“ auf der Bühne.

Zwei Produktionen aus dieser Zeit sind namentlich überliefert. 1990 spielte er in „Die Kommunisten“ von Jörg-Michael Koerbl unter der Regie von Michael Jurgon am Deutschen Theater. Zwei Jahre später übernahm er die Rolle des Max von Stahl in Klaus Pohls „Karate-Billi kehrt zurück“, inszeniert von Alexander Lang, ebenfalls am Deutschen Theater Berlin. Das Theater blieb auch später ein Teil seines Lebens: In der Spielzeit 2008/09 stand er als Alfred Doolittle in „My Fair Lady“ auf der Bühne des Admiralspalasts in Berlin – die komische Vaterfigur aus dem Musical-Klassiker, weit entfernt vom ernsten Kommissar, als den ihn das Fernsehpublikum kennt.

Filmkarriere: vom DEFA-Debüt bis nach Hollywood
Vor der Kamera wirkte Kroschwald bislang in über 60 Film- und Fernsehproduktionen mit. Nach dem Debüt 1985 folgten Kinofilme wie „Grönland“ (1990), „Jugend ohne Gott“ (1991), „Adamski“ (1993) und „Das Versprechen“ (1994). Im Fernsehen war er in den großen deutschen Krimireihen zu Hause: Er spielte in drei „Tatort“-Folgen – „Der Phoenix-Deal“ (1996), „Ein Hauch von Hollywood“ (1998) und „Außer Kontrolle“ (2003) – sowie 1999 in „Polizeiruf 110: Schellekloppe“. Dazu kamen Gastrollen in Serien wie „Für alle Fälle Stefanie“, „Hinter Gittern – Der Frauenknast“ und „Wolffs Revier“.
International bekannt wurde er 2002 durch Roman Polanskis „Der Pianist“: In dem Film über den jüdischen Pianisten Władysław Szpilman im besetzten Warschau übernahm Kroschwald die Rolle des Schultz. Der Film gewann die Goldene Palme in Cannes und drei Oscars. Es war nicht sein einziger Auftritt in einer großen internationalen Produktion. In George Clooneys „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“ (2014) verkörperte er Hermann Göring, und in Dani Levys Satire „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ (2007) spielte er Martin Bormann – dieselbe historische Figur, der er bereits 1999 in Alexander Sokurovs Film „Moloch“ seine Stimme geliehen hatte.
Eine seiner bekanntesten deutschen Kinorollen ist Karow in „Berlin Calling“ (2008), der Vater des DJs Martin, gespielt von Paul Kalkbrenner. In Thomas Stubers Drama „Herbert“ (2015) war er als Bodo zu sehen, 2017 folgte eine Folge der Serie „Berlin Station“, 2018 der Märchenfilm „Der süße Brei“, in dem er den Kerkermeister spielte. Die Bandbreite ist groß: vom DEFA-Debüt über internationale Kinoproduktionen bis zum Fernsehkrimi – und fast immer in Nebenrollen, die dem Film oder der Folge ihr Gesicht geben, ohne je im Vordergrund zu stehen.
Jan Reuter: das Gesicht von SOKO Wismar
Seine Lebensrolle fand Kroschwald im Herbst 2004: Seit der ersten Folge von SOKO Wismar im Oktober 2004 spielt er den Ersten Kriminalhauptkommissar Jan-Hinrich Reuter, den Dienststellenleiter der Kripo in Wismar. Bis November 2026 sind daraus 529 Folgen geworden – kein anderer Schauspieler der Serie kann eine solche Zahl vorweisen. Während sich das Team um ihn herum immer wieder veränderte, blieb Reuter die Konstante: Auf Leena Virtanen folgten Anneke van der Meer, Stine Bergendal, Eddi Jansons und schließlich Theodor Petkov – Reuter war bei jedem Wechsel schon da.
Nur einmal musste der Revierleiter vertreten werden: In vier Folgen der zehnten Staffel übernahm der Dozent Martin Boldt (Jürgen Tarrach) das Revier, während Reuter – ein leidenschaftlicher Angler – in einen lange geplanten Angelurlaub fuhr.
Die Figur ist der ruhige Pol der Serie: ein erfahrener Ermittler, der seine Leute kennt und das Revier zusammenhält. Dass die Serie nach mehr als 20 Jahren immer noch zu den erfolgreichsten Vorabend-Krimis des ZDF gehört, führt Kroschwald auch auf das Miteinander am Set zurück. Zum 20-jährigen Dreh-Jubiläum sagte er, es freue das Team, dass die Serie nach 20 Jahren noch so gut ankomme und sogar die Quoten in ihrem Sendeformat anführe – da müsse etwas sein, das funktioniere. Die Rolle selbst, so erzählte er dem Nordkurier, sei ihm nie das Wichtigste gewesen: Entscheidend seien die Menschen, die Stimmung und die Atmosphäre bei der Arbeit gewesen – es habe Spaß machen müssen.
Die Serie selbst ist ein fester Bestandteil des ZDF-Vorabendprogramms: Die Folgen dauern rund 45 Minuten und werden von der Produktionsfirma Real Film Berlin produziert, einer Tochter von Studio Hamburg. Gedreht wird zu gleichen Teilen rund um Wismar und in der Region Berlin – die Hansestadt ist nicht nur Kulisse, sondern ein Teil der Identität der Serie. Seit dem Start im Oktober 2004 läuft SOKO Wismar ohne Unterbrechung, und sie gehört damit zu den langlebigsten Serien des ZDF überhaupt. Für Kroschwald bedeutet das mehr als zwei Jahrzehnte am selben Set, mit denselben Straßen, denselben Drehorten und einem Team, das sich über die Jahre immer wieder erneuert hat – nur der Revierleiter blieb derselbe.
Über Wismar selbst sagte er einmal, dass er in der Stadt nicht mehr unerkannt durch die Straßen gehen könne – ein Satz, der zeigt, wie eng der Darsteller und seine Figur in der Öffentlichkeit miteinander verbunden sind. Neben den regulären Folgen war Reuter auch in den besonderen Produktionen der Reihe dabei: 2013 im Crossover-Fünfteiler „SOKO – Der Prozess“, in dem alle fünf SOKO-Teams gemeinsam ermittelten, sowie in den 90-minütigen Specials „Bittere Weihnacht“ (2017) und „Nach der Ebbe kommt der Tod“ (2020).
Die 23. Staffel startete am 7. Oktober 2026 mit der Folge „Die andere Hälfte“. Wer wissen will, was in den neuen Folgen passiert, findet die Übersicht bei den aktuellen Staffel-Infos; die Schauplätze der Serie stellt der Artikel über die Drehorte in Wismar vor.

Reuter ist längst mehr als eine Rolle: Er ist das Gedächtnis der Serie. Neue Kolleginnen und Kollegen kommen und gehen – zuletzt übernahmen Yassen Atanassov als Theodor Petkov und Gustavs Gailus als Eddi Jansons ihre Plätze im Team. Kroschwald dagegen steht seit dem ersten Drehtag vor der Kamera. Für Fans der Serie ist er der Mann, der Wismar seit über zwei Jahrzehnten zusammenhält – auf dem Bildschirm ebenso wie als verlässlicher Anker der Produktion.
Hörspiele und Synchronarbeit
Neben der Kameraarbeit ist Kroschwald seit Jahrzehnten als Hörspielsprecher tätig – ein zweites Standbein, das zu seiner Theaterausbildung passt. 1998 sprach er in der 30-teiligen MDR-Produktion von Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“, 2003 übernahm er die Rolle des Mr. Waldo in Dylan Thomas‘ „Unter dem Milchwald“, ebenfalls für den MDR. Noch 2026 war er in Sven Strickers „Sörensen geht aufs Haus“ für Deutschlandradio Kultur zu hören.
Die Liste seiner Hörspielrollen ist lang: Schon 1996 sprach er den Tarzan in Gabriele Bigotts Kinderhörspiel „Mieze, Tarzan und Paul Klee“ (Deutschlandradio), 2014 war er in Thilo Refferts „Mein Jahr in Trallabad“ (Deutschlandradio Kultur) zu hören. Dazu kommt Synchronarbeit: Seine Stimme lieh er unter anderem Vladimir Bogdanov als Martin Bormann in Sokurovs „Moloch“ (1999).
Privatleben: die Familie Poolman
Verheiratet ist Kroschwald mit der Schauspielerin Frauke Poolman, die aus einer niederländischen Theaterfamilie stammt. Ihre Mutter Marylu gehörte 46 Jahre lang zum Ensemble des Schauspielhauses Leipzig und stand bis kurz vor ihrem Tod im Jahr 2004 auf der Bühne. Auch die Tochter Marylu-Saskia Poolman ist Schauspielerin und trat in einer Folge von SOKO Wismar auf. Frauke Poolman selbst arbeitet heute vor allem als Hörspielsprecherin und Dozentin.
Das Paar lebt in Berlin, nahe dem Lietzensee, und in Nettelbeck in Brandenburg – zwischen Großstadt und märkischer Landschaft. Über sein Privatleben spricht Kroschwald nur selten und zurückhaltend; die Öffentlichkeit kennt ihn vor allem als Jan Reuter. Vielleicht ist genau das ein Grund für die lange Treue zur Serie: Die Figur gibt ihm die Sichtbarkeit, das Privatleben bleibt geschützt.
Filmografie (Auswahl)
Häufige Fragen
Wie alt ist Udo Kroschwald?
Er wurde im April 1955 in Freiberg in Sachsen geboren und ist im November 2026 71 Jahre alt. Ein exakter Geburtstag ist nicht öffentlich bekannt.
Seit wann spielt er bei SOKO Wismar mit?
Seit der allerersten Folge im Oktober 2004. Er verkörpert seitdem ohne Unterbrechung den Ersten Kriminalhauptkommissar Jan-Hinrich Reuter und ist das einzige Ensemblemitglied, das von Anfang an dabei ist.
Wie viele Folgen SOKO Wismar hat er gedreht?
Bis November 2026 sind es 529 Folgen. Damit liegt er weit vor allen anderen Darstellerinnen und Darstellern der Serie.
Welche Rolle spielte er in „Der Pianist“?
In Roman Polanskis Film aus dem Jahr 2002 spielte er Schultz. Der Film über den Pianisten Władysław Szpilman gewann die Goldene Palme in Cannes und drei Oscars.
Ist Udo Kroschwald verheiratet?
Ja. Seine Ehefrau ist die Schauspielerin Frauke Poolman aus einer niederländischen Theaterfamilie. Das Paar lebt in Berlin und in Nettelbeck in Brandenburg.
Weiterlesen auf Sharp Magazine
- Gustavs Gailus: Biografie, Karriere und Abschied als Eddi Jansons bei SOKO Wismar
- Yassen Atanassov: Biografie, Karriere und Rolle als Theodor Petkov bei SOKO Wismar
- Charly Hübner Filme und Serien
- Jan Josef Liefers Filme und Serien
- Henning Baum Filme und Serien
Quellen
- Wikipedia (deutsch): Biografie und Filmografie
- Wikipedia (deutsch): SOKO Wismar – Serie, Besetzung und Folgen
- fernsehserien.de: SOKO Wismar – Cast & Crew mit Folgenzahlen
- ZDF: SOKO Wismar – offizielle Serienseite
- filmportal.de: Personen-Seite des Deutschen Filminstituts
- IMDb: Filmografie mit Rollennamen



Kommentare