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Winterreifen wechseln: Zeitpunkt, Regeln und Anleitung in 7 Schritten

Emilia Emil13 Min. Lesezeit

Der erste Frost kommt fast immer über Nacht: Abends steht das Auto noch auf Sommerreifen in der Einfahrt, morgens liegt Reif auf der Fahrbahn, und die Fahrt zur Arbeit wird zur Rutschpartie. Genau für diesen Moment gibt es in Deutschland eine klare Regel — nur hängt sie nicht an einem Datum im Kalender, sondern am Zustand der Straße. Wer sie kennt, wechselt rechtzeitig und fährt ohne Bußgeldrisiko durch den Winter.

Auto auf schneebedeckter Fahrbahn im Winter
Auto auf schneebedeckter Fahrbahn. Foto: dave_7 / Wikimedia Commons, CC BY 2.0.
In diesem Artikel
  1. Wann sind Winterreifen überhaupt Pflicht?
  2. Welche Reifen gelten als Winterreifen?
  3. Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Wechsel?
  4. Wie viel Profil muss ein Winterreifen haben?
  5. Wie alt dürfen Winterreifen sein?
  6. Wie wechseln Sie Winterreifen selbst?
  7. Wann gehört der Wechsel in die Werkstatt?
  8. Wie lagern Sie die abgenommenen Reifen richtig?
  9. Sind Ganzjahresreifen eine Alternative?
  10. Was kostet ein Verstoß gegen die Winterreifenpflicht?
  11. Welche Fehler passieren beim Wechsel am häufigsten?
  12. Was gilt in Österreich?
  13. Häufige Fragen zum Winterreifenwechsel
  14. Weiterlesen auf Sharp Magazine

Diese Anleitung fasst zusammen, was wirklich gilt: wann die Pflicht greift, welche Reifen sie erfüllen, wann Sie Winterreifen wechseln sollten, wie viel Profil und welches Alter noch vertretbar sind, wie der Wechsel in sieben Schritten gelingt, wie Sie die abgenommenen Reifen lagern und was in Österreich anders ist. Dazu erfahren Sie, welche Fehler am häufigsten passieren und was ein Verstoß kostet.

Wann sind Winterreifen überhaupt Pflicht?

In Deutschland gibt es keine Winterreifenpflicht nach Kalenderdatum. Stattdessen gilt eine situative Pflicht nach § 2 Abs. 3a der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO): Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur gefahren werden, wenn alle Räder mit Reifen ausgerüstet sind, die den Anforderungen des § 36 Abs. 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) genügen. Entscheidend ist also allein die Straßenlage im Moment der Fahrt — nicht der Monat, nicht die Temperaturanzeige im Cockpit.

An einem trockenen, milden Novembertag verstoßen Sie mit Sommerreifen deshalb nicht gegen die Vorschrift. Liegt morgens aber Reif auf einer schattigen Landstraße oder fällt über Nacht Schnee, gilt die Pflicht sofort — auch wenn der Kalender noch Oktober zeigt. Ausgenommen sind nach Angaben des ADAC unter anderem Motorräder, land- und forstwirtschaftliche Nutzfahrzeuge sowie motorisierte Krankenfahrstühle mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit bis zu 50 km/h. Wie der ADAC in seiner Übersicht zum Autofahren im Winter erklärt, fahren Sie bei winterlichen Verhältnissen ohne das vorgeschriebene Symbol rechtlich gesehen mit Sommerreifen.

Welche Reifen gelten als Winterreifen?

Reifenflanke mit Alpine-Symbol und Größenangabe
Reifenflanke mit Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke). Foto: A7N8X / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Als Winterreifen zählt nur, was das Alpine-Symbol trägt: ein Bergpiktogramm mit einer Schneeflocke in der Mitte, fachlich Three-Peak Mountain Snowflake (3PMSF) genannt. Das Symbol ist auf der Reifenflanke eingeprägt und belegt, dass der Reifen strengere Anforderungen an den Grip auf Schnee erfüllt als ein gewöhnlicher Reifen. Prüfen Sie deshalb alle vier Reifen — ein einziges Rad ohne das Symbol genügt, um bei Glätte gegen die Pflicht zu verstoßen.

Die früher übliche Kennzeichnung M+S (Matsch und Schnee) allein reicht seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr aus. Reifen mit reiner M+S-Kennzeichnung, die vor dem 1. Januar 2018 hergestellt wurden, durften noch bis zum 30. September 2024 gefahren werden; seitdem zählt ausschließlich das Alpine-Symbol. Ganzjahresreifen erfüllen die Pflicht ebenfalls — aber nur, wenn sie das Alpine-Symbol tragen. Ein Ganzjahresreifen mit bloßem M+S-Zeichen ist bei winterlichen Verhältnissen genauso unzulässig wie ein Sommerreifen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Wechsel?

Als Planungshilfe hat sich die Faustregel von O bis O eingebürgert: von Oktober bis Ostern Winterreifen fahren. Rechtliche Bedeutung hat diese Regel keine — sie ist eine Orientierung, kein Gesetz. Ihr praktischer Wert liegt darin, dass Sie den Wechsel nicht bis zum ersten Schnee aufschieben: Wenn der Frost da ist, sind die Werkstätten auf Wochen ausgebucht, und wer dann noch auf Sommerreifen steht, hat ein Problem.

Auch die bekannte 7-Grad-Regel ist kein Gesetz, sondern eine Herstellerempfehlung: Unter etwa sieben Grad Celsius sollen Winterreifen besser greifen als Sommerreifen, weil ihre Gummimischung weicher bleibt. Eine Temperaturgrenze schreibt die Straßenverkehrs-Ordnung dagegen nicht vor. Sinnvoll ist deshalb ein fester Termin im Oktober — wer regelmäßig in höhere Lagen oder in Regionen mit frühem Frost fährt, wechselt eher früher als später.

Wie viel Profil muss ein Winterreifen haben?

Profiltiefenlehre misst das Profil eines Reifens
Profiltiefenlehre auf der Lauffläche eines Reifens. Foto: Fahi / Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Gesetzlich muss das Hauptprofil nach § 36 Abs. 3 StVZO mindestens 1,6 Millimeter tief sein — das gilt für Sommer- wie für Winterreifen gleichermaßen. Wer darunter liegt, fährt nicht nur unsicher, sondern riskiert auch ein Bußgeld mit Punkt. Der ADAC empfiehlt für Winterreifen deutlich mehr: mindestens 4 Millimeter Restprofil, weil ein abgefahrenes Profil Schnee und Schneematsch kaum noch verdrängt und der Grip entsprechend nachlässt.

Messen Sie mit einer Profiltiefenlehre, die es für wenige Euro im Handel gibt: Setzen Sie sie an mehreren Stellen über die Lauffläche und rund um den Reifen an, nicht nur an einer einzigen Stelle. Ungleichmäßiger Verschleiß — innen stärker abgefahren als außen oder umgekehrt — deutet auf falschen Luftdruck oder eine verstellte Spur hin und gehört geprüft. Als grobe Orientierung gilt: Liegt das Profil zu Saisonbeginn nur knapp über 4 Millimetern, reicht es bis zum Frühjahr meist nicht mehr aus.

Wie alt dürfen Winterreifen sein?

Ein gesetzliches Höchstalter für Reifen gibt es in Deutschland nicht. Das Alter lesen Sie an der DOT-Nummer auf der Reifenflanke ab: Die letzten vier Ziffern nennen Produktionswoche und Produktionsjahr. Die Angabe 4224 bedeutet also Kalenderwoche 42 im Jahr 2024. Der ADAC rät außerdem davon ab, Reifen zu kaufen, die bereits älter als zwei Jahre sind — auch ein unbenutzter Reifen altert im Lager.

Bei der Frage, wann ein Reifen ausgetauscht gehört, gehen die Empfehlungen auseinander — ein echter Zielkonflikt, den Sie kennen sollten. Der ADAC rät auf seiner Ratgeberseite zu einem Austausch nach spätestens sechs Jahren, in der Berichterstattung zum Winterreifentest 2026 ist von acht Jahren die Rede. DEKRA und HUK nennen für Winterreifen sechs Jahre, der TÜV sechs bis zehn Jahre je nach Zustand. Prüfen Sie deshalb neben dem Alter immer den Zustand: Risse in der Flanke, poröses Gummi oder eine verhärtete Lauffläche sind Gründe für einen Austausch, auch wenn der Reifen noch keine sechs Jahre alt ist.

Wie wechseln Sie Winterreifen selbst?

Winterreifen wechseln mit Wagenheber und Radkreuz
Radwechsel mit Wagenheber und Radkreuz. Foto: Santeri Viinamäki / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Wer seine Winterreifen wechseln will, braucht dafür keine Werkstatt — vorausgesetzt, die Winterreifen sitzen bereits auf eigenen Felgen, also als Kompletträder. Das Aufziehen neuer Reifen auf Felgen und das Auswuchten gehören dagegen in den Fachbetrieb, weil dafür eine Montagemaschine und Erfahrung nötig sind. Der Radwechsel selbst gelingt mit dem richtigen Werkzeug und etwas Zeit auch in der Einfahrt. Der Ratgeber von HUK-Autoservice beschreibt den Ablauf ebenfalls Schritt für Schritt.

Legen Sie vorher alles bereit, was Sie brauchen — suchen während des Wechsels kostet nur Zeit, in der das Auto auf dem Wagenheber steht:

  • Stabiler Wagenheber und zusätzlich ein Unterstellbock zur Sicherung
  • Radkreuz zum Lösen und Anziehen der Radmuttern
  • Drehmomentschlüssel für das vom Hersteller vorgeschriebene Anzugsdrehmoment
  • Drahtbürste zum Reinigen der Radnabe
  • Schlüssel für das Felgenschloss, falls Ihr Fahrzeug eines hat
  • Handschuhe und Kreide zum Markieren der Radpositionen
  • Betriebsanleitung des Fahrzeugs — dort stehen Wagenheberpunkte und Drehmoment
  1. Sichern und markieren: Stellen Sie das Auto auf einer ebenen, festen Fläche ab, ziehen Sie die Handbremse an und legen Sie den ersten Gang ein (bei Automatik: Parkstellung). Markieren Sie jedes Rad mit Kreide nach seiner Position — vorne links, vorne rechts, hinten links, hinten rechts — damit Sie den Tausch nachvollziehen können.
  2. Schrauben anlösen: Lösen Sie die Radmuttern mit dem Radkreuz zunächst nur eine Viertelumdrehung, solange das Rad noch auf dem Boden steht und nicht mitdrehen kann.
  3. Aufbocken: Setzen Sie den Wagenheber ausschließlich an dem vom Hersteller markierten Punkt an und heben Sie das Fahrzeug an. Sichern Sie es zusätzlich mit dem Unterstellbock, bevor Sie unter das Fahrzeug greifen oder das Rad abnehmen.
  4. Abnehmen und prüfen: Drehen Sie die Muttern kreuzweise heraus und nehmen Sie das Rad ab. Reinigen Sie die Radnabe mit der Drahtbürste und prüfen Sie den abgenommenen Reifen auf Schäden, Risse und Restprofil, bevor er eingelagert wird.
  5. Aufsetzen: Setzen Sie das Winterrad auf und beachten Sie die Laufrichtung — ein Pfeil auf der Reifenflanke zeigt die Drehrichtung, die besonders bei Nässe und Schneematsch für die Wasserverdrängung wichtig ist. Ziehen Sie die Muttern kreuzweise leicht an. Bewährt hat sich der Tausch von vorne nach hinten bei gleichbleibender Seite: Vorderräder kommen nach hinten, Hinterräder nach vorne.
  6. Ablassen und festziehen: Lassen Sie das Fahrzeug so weit ab, bis der Reifen Bodenkontakt hat, und ziehen Sie die Muttern dann kreuzweise mit dem Drehmomentschlüssel und dem vom Hersteller vorgeschriebenen Drehmoment fest. Einen universellen Newtonmeter-Wert gibt es nicht — der Wert steht in der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs.
  7. Prüfen und nachziehen: Prüfen Sie an der nächsten Tankstelle den Luftdruck aller vier Räder und korrigieren Sie ihn nach Herstellervorgabe. Kontrollieren Sie die Radschrauben nach etwa 50 Kilometern erneut und ziehen Sie sie bei Bedarf nach — dazu rät auch der ADAC.

Nach dem Winterreifen wechseln gilt: Falls Ihr Fahrzeug eine Reifendruckkontrolle hat, kann nach dem Radwechsel eine Neuanlernung oder ein Zurücksetzen nach Herstellervorgabe nötig sein — die Betriebsanleitung beschreibt den Vorgang für Ihr Modell. Sitzen Schrauben fest, fehlt Ihnen der Drehmomentschlüssel oder sind Sie unsicher beim Wagenheberpunkt, lassen Sie den Wechsel lieber in der Werkstatt erledigen, statt ein Risiko einzugehen.

Wann gehört der Wechsel in die Werkstatt?

Reifenwechsel auf offener Straße in Wien mit Wagenheber
Reifenwechsel auf offener Straße in Wien. Foto: Gerd Eichmann / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

In drei Fällen ist der Fachbetrieb die richtige Adresse: wenn neue Reifen erst auf die Felgen montiert und ausgewuchtet werden müssen, wenn Sensoren der Reifendruckkontrolle zu ersetzen sind oder wenn Sie das nötige Werkzeug nicht besitzen. Auch angerostete Radschrauben, die sich nicht lösen lassen, und Fahrzeuge ohne gut erreichbaren Wagenheberpunkt gehören auf die Hebebühne statt in die Einfahrt.

Wer keinen Drehmomentschlüssel besitzt, lässt die Winterreifen wechseln, statt sie per Hand anzuziehen — das vorgeschriebene Drehmoment lässt sich ohne Werkzeug nicht zuverlässig treffen. Planen Sie den Werkstatttermin früh: Beim ersten Kälteeinbruch sind die Betriebe regelmäßig auf Wochen ausgebucht, und ein Termin im Oktober erspart Ihnen Wartezeit und die Fahrt auf Sommerreifen bei Glätte. Zu den Kosten lässt sich seriös keine einzelne Zahl nennen — sie hängen von Region, Fahrzeug und Leistungsumfang ab, holen Sie deshalb vorab ein Angebot ein.

Wie lagern Sie die abgenommenen Reifen richtig?

Reinigen Sie die abgenommenen Reifen vor dem Einlagern grob und markieren Sie ihre bisherige Position mit Kreide — so wissen Sie im Frühjahr, welches Rad wohin gehört. Lagern Sie dunkel, kühl und trocken, ohne direkte Sonneneinstrahlung und fern von Lösungsmitteln, Ölen oder Heizquellen, die das Gummi angreifen.

Reifen mit Felgen lagern Sie liegend gestapelt oder hängend an Haken beziehungsweise einem Felgenbaum. Reifen ohne Felgen stellen Sie aufrecht hin und drehen sie alle paar Wochen um eine Vierteldrehung weiter, damit sie sich nicht einseitig verformen. Ein Tipp aus der Praxis, den AdmiralDirekt empfiehlt: Erhöhen Sie den Luftdruck der eingelagerten Räder vor dem Wegstellen um 0,5 bar, um Standplatten über den Winter vorzubeugen.

Sind Ganzjahresreifen eine Alternative?

Ganzjahresreifen gelten rechtlich als Winterreifen, sobald sie das Alpine-Symbol tragen — dann entfällt der saisonale Wechsel vollständig, und auch die Einlagerung ist kein Thema mehr. Für viele Fahrerinnen und Fahrer ist das der entscheidende Vorteil: ein Satz Reifen für das ganze Jahr, kein Werkstatttermin im Oktober und keiner im Frühjahr.

Der Preis dafür ist ein Kompromiss: An einen spezialisierten Winterreifen bei Schnee und an einen Sommerreifen bei Hitze reicht ein Ganzjahresreifen nicht heran, und er verschleißt schneller — die Allianz nennt eine Nutzungsdauer von etwa zwei bis drei Jahren. Wer nicht zweimal im Jahr Winterreifen wechseln möchte, in einer Region mit milden Wintern lebt, wenig fährt und selten Schnee sieht, fährt mit Ganzjahresreifen gut. Wer regelmäßig bei starkem Schnee, auf Bergstraßen oder bei winterlichen Fernfahrten unterwegs ist, ist mit echten Winterreifen besser bedient.

Was kostet ein Verstoß gegen die Winterreifenpflicht?

Die Regelsätze aus dem Bußgeldkatalog sind nach Verstoß gestaffelt und immer mit einem Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg verbunden. Auch der Halter haftet: Wer eine Fahrt bei Glätte anordnet oder zulässt, obwohl das Fahrzeug nicht vorschriftsmäßig bereift ist, zahlt selbst. Gebühren und Auslagen können zu den Regelsätzen hinzukommen; ein Fahrverbot ist für diese einfachen Verstöße nicht vorgesehen.

Auf kleinen Bildschirmen lässt sich die Tabelle seitlich verschieben.

Verstoß Bußgeld Punkte
Fahren bei Glätte ohne geeignete Reifen 60 Euro 1
Mit Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer 80 Euro 1
Mit Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer 100 Euro 1
Mit Unfallfolge 120 Euro 1
Halter ordnet die Fahrt an oder lässt sie zu 75 Euro 1
Profiltiefe unter 1,6 Millimeter (Fahrer) 60 Euro 1

Teurer kann es nach einem Unfall werden: Die Kaskoversicherung kann ihre Leistung wegen grober Fahrlässigkeit kürzen, und die HUK-Coburg weist darauf hin, dass die Kfz-Haftpflichtversicherung den Fahrer nach einem Unfall mit Sommerreifen bei winterlichen Bedingungen mit bis zu 5.000 Euro in Regress nehmen kann. Die Haftpflicht reguliert Schäden Dritter zwar grundsätzlich, holt sich aber einen Teil zurück — ein weiterer Grund, den Wechsel nicht aufzuschieben.

Welche Fehler passieren beim Wechsel am häufigsten?

Beim Winterreifen wechseln passieren immer wieder dieselben Fehler — die meisten aus Eile oder Unwissenheit. Diese fünf sollten Sie unbedingt vermeiden:

  • Nur zwei Räder wechseln: Die Pflicht gilt für alle vier Räder. Zwei Winterreifen vorne und zwei Sommerreifen hinten sind bei Glätte nicht nur unzulässig, sondern auch fahrdynamisch gefährlich, weil die Achsen unterschiedlich greifen.
  • Ohne Drehmomentschlüssel anziehen: Per Hand lässt sich das vorgeschriebene Drehmoment nicht zuverlässig treffen. Zu locker angezogene Muttern können sich lösen, zu fest angezogene belasten Gewinde und Bauteile — der Drehmomentschlüssel ist deshalb kein Luxus, sondern Pflichtwerkzeug.
  • Laufrichtung missachten: Winterreifen mit gerichteter Lauffläche müssen in der vorgegebenen Drehrichtung laufen, sonst verdrängen sie Wasser und Schneematsch deutlich schlechter. Der Pfeil auf der Flanke zeigt die Richtung — prüfen Sie ihn vor dem Festziehen.
  • Nachziehen nach 50 Kilometern vergessen: Neu montierte Räder setzen sich auf den ersten Kilometern. Wer die Kontrolle nach etwa 50 Kilometern auslässt, fährt womöglich mit gelockerten Schrauben weiter.
  • M+S für ausreichend halten: Ein alter Reifen mit bloßer M+S-Kennzeichnung ohne Alpine-Symbol erfüllt die Pflicht seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr — auch wenn er optisch noch gut aussieht und das Profil stimmt.

Was gilt in Österreich?

Wer im Winter nach Österreich fährt, muss andere Regeln beachten: Dort gilt vom 1. November bis zum 15. April eine situative Winterausrüstungspflicht — bei Schnee, Schneematsch oder Eis müssen Pkw und leichte Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Winterreifen tragen. Anders als in Deutschland genügt dort weiterhin ein Reifen mit M+S-Kennzeichnung, und die Mindestprofiltiefe liegt höher: Winterreifen brauchen mindestens 4 Millimeter, Diagonalreifen sogar 5 Millimeter. Der ÖAMTC empfiehlt deshalb, mit rund 6 Millimetern in die Saison zu starten, damit die 4 Millimeter auch am Ende des Winters noch eingehalten sind.

Die Strafen beginnen laut ÖAMTC bei rund 100 Euro; werden andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, sind theoretisch bis zu 10.000 Euro möglich. Einen Überblick des Bußgeldportals zur Winterreifenpflicht im Ausland finden Sie mit den Regeln für Österreich, Italien und Frankreich im Vergleich. Prüfen Sie vor einer Winterreise also nicht nur das Symbol, sondern auch das Profil — in Österreich entscheidet ein Millimeter mehr oder weniger über zulässig oder nicht.

Häufige Fragen zum Winterreifenwechsel

Muss ich bei trockenem Wetter im November Winterreifen fahren?

Nein — die Pflicht ist situativ und hängt allein von der Straßenlage ab. An einem trockenen, milden Novembertag dürfen Sie noch mit Sommerreifen fahren. Sobald aber Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte auftreten, müssen geeignete Reifen mit Alpine-Symbol montiert sein. Weil der Umschwung oft über Nacht kommt, ist ein fester Wechseltermin im Oktober die sicherere Planung.

Zählt mein alter M+S-Reifen ohne Alpine-Symbol noch?

Nein. Seit dem 1. Oktober 2024 erfüllen Reifen mit reiner M+S-Kennzeichnung ohne Alpine-Symbol die deutsche Winterreifenpflicht nicht mehr — unabhängig davon, wie gut Profil und Zustand noch sind. Prüfen Sie die Flanke auf das Bergpiktogramm mit Schneeflocke: Fehlt es, ist der Reifen bei winterlichen Verhältnissen unzulässig und muss ersetzt werden.

Darf ich Winterreifen im Sommer weiterfahren?

Erlaubt ist es — ein Verbot, Winterreifen im Sommer zu fahren, gibt es nicht. Sinnvoll ist es trotzdem nicht: Die weiche Wintermischung verschleißt bei Hitze deutlich schneller, der Bremsweg auf trockener Straße wird länger, und nach einem Unfall kann die Versicherung eine Mitschuld geltend machen. Wechseln Sie deshalb im Frühjahr wieder auf Sommer- oder Ganzjahresreifen zurück.

Muss ich wirklich alle vier Räder wechseln?

Ja. Die situative Pflicht verlangt, dass alle Räder mit Reifen ausgerüstet sind, die den Anforderungen des § 36 Abs. 4 StVZO genügen. Eine Mischung aus Winterreifen auf einer Achse und Sommerreifen auf der anderen erfüllt die Pflicht nicht und verschlechtert zusätzlich das Fahrverhalten, weil die Achsen bei Glätte unterschiedlich greifen.

Wie lese ich das Alter meines Reifens ab?

An der DOT-Nummer auf der Reifenflanke: Die letzten vier Ziffern nennen Produktionswoche und Produktionsjahr. Die Angabe 2319 bedeutet Kalenderwoche 23 im Jahr 2019, die Angabe 4224 Kalenderwoche 42 im Jahr 2024. Daneben prüfen Sie den Zustand — Risse, poröse Flanken oder verhärtetes Gummi sind auch bei jüngeren Reifen ein Grund für den Austausch.

Ersetzen Ganzjahresreifen den saisonalen Wechsel?

Rechtlich ja, sofern sie das Alpine-Symbol tragen — dann gelten sie als Winterreifen und Sie müssen weder im Herbst noch im Frühjahr wechseln. Praktisch bleibt es ein Kompromiss: Bei starkem Schnee und auf Bergstraßen sind spezialisierte Winterreifen überlegen, bei Hitze Sommerreifen. Für milde Winter, geringe Fahrleistung und seltenen Schnee sind Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol dagegen eine vernünftige Lösung.

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Emilia Emil schreibt für Sharp Magazine über Persönlichkeiten, Film und Kultur. Auf der Profilseite finden Sie die zugeordneten Beiträge sowie den Kontakt für Hinweise und Korrekturen.

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