Eisstockschiessen Regeln: Kehren, Daube und Wertung
Zwei Mannschaften, vier Stöcke pro Team, ein Ziel in 24,5 Metern Entfernung: Beim Eisstockschiessen geht es um Präzision, Taktik und Nervenstärke. Die Eisstockschiessen Regeln sind einfacher, als sie auf den ersten Blick wirken – doch wer sie genau kennt, spielt besser. Dieser Ratgeber erklärt das Mannschaftsspiel, die Wertung, den Ziel- und den Weitenwettbewerb nach der aktuellen Internationalen Eisstock-Regel (IER) in der 12. Auflage, die seit dem 1. Oktober 2026 gilt.

In diesem Artikel
- Was ist Eisstockschiessen?
- Nicht zu verwechseln: ein eigener Sport
- Das Spielfeld: Standfeld, Zielfeld und 24,5 Meter
- Der Eisstock: Aufbau, Typen und Laufsohlen
- Die Daube: das Ziel in der Mitte
- Das Mannschaftsspiel: Ablauf einer Kehre
- Wer spielt wann? Anspiel und Reihenfolge
- Was zählt als gültiger Versuch?
- Die Wertung: Stockpunkte und Gewinnpunkte
- Strafen und Fehler
- Zielwettbewerb: Präzision in vier Durchgängen
- Weitenwettbewerb: der weiteste Stock gewinnt
- Sommer und Winter: zwei Beläge, ein Sport
- Technik für Einsteiger: Haltung, Schwung und Abzug
- Geschichte und Wettkämpfe: von Bruegel bis zur WM
- Sicherheit auf dem Eis
- Häufige Fragen
- Weiterlesen auf Sharp Magazine
Eisstockschiessen wird im Winter auf Eis und im Sommer auf Asphalt oder Beton gespielt. Der Sport ist in Süddeutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz zu Hause und wird darüber hinaus in Tschechien, Ungarn, Slowenien und Polen gespielt – mit wachsendem Interesse auch in Australien, den USA und Kanada. Die International Federation Icestocksport (IFI) wurde im Juli 2021 vom Internationalen Olympischen Komitee vollständig anerkannt und strebt eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2030 an.
Was ist Eisstockschiessen?
Beim Eisstockschiessen schieben zwei Mannschaften abwechselnd je einen Eisstock über eine Bahn in Richtung einer kleinen Zielscheibe, der Daube. Gewonnen hat, wessen Stöcke nach einer Kehre – einem Durchgang – näher an der Daube liegen als die Stöcke des Gegners. Jede Mannschaft besteht aus vier Spielerinnen oder Spielern, jedes Team spielt mit vier Stöcken derselben Farbe.
Wer die Eisstockschiessen Regeln zum ersten Mal liest, stolpert über die Begriffe: Kehre, Daube, Bestlage, Stockpunkte. Alle vier erklären wir in diesem Artikel – Schritt für Schritt, mit den genauen Maßen und der aktuellen Wertung. Denn in vielen Anleitungen im Netz steht noch die alte Wertung: Dort bekommt der beste Stock drei Punkte und die weiteren je zwei – insgesamt bis zu neun Punkte pro Kehre. Diese Wertung gilt seit der 11. Auflage der IER aus dem Jahr 2022 nicht mehr.
Nicht zu verwechseln: ein eigener Sport
Wer Eisstockschiessen zum ersten Mal sieht, denkt an Curling: zwei Teams, Eis, ein Ziel. Doch die beiden Sportarten unterscheiden sich in fast allem – im Gerät, in der Bahn, in der Technik und in den Regeln. Der Eisstock ist ein flacher, runder Körper mit einem Stiel, der geschoben wird; der Curlingstein ist ein schwerer Granitblock mit einem Griff, der gleitend abgegeben wird. Beim Eisstockschiessen gibt es keinen Besen, kein Fegen und kein Haus: Das Ziel ist die Daube, eine kleine Gummischeibe in der Mitte des Zielfelds.
Im englischsprachigen Raum wird Eisstockschiessen auch Bavarian Curling genannt – ein Name, der die Verwechslung eher verstärkt als auflöst. Wer die Regeln kennt, sieht den Unterschied sofort: Der Eisstock wird nicht geworfen oder gleitend abgegeben, sondern mit einem kurzen Schwung geschoben. Und während beim Curling das Fegen den Lauf des Steins beeinflusst, gibt es beim Eisstockschiessen nach dem Abzug keine Einflussnahme mehr auf den Stock.
Das Spielfeld: Standfeld, Zielfeld und 24,5 Meter
Ein offizielles Spielfeld besteht aus einem Standfeld, dem Zielfeld und der Bahn dazwischen. Die Abspielstelle – der Punkt, von dem aus gespielt wird – liegt 24,5 Meter vom Mittelkreuz entfernt, dem Mittelpunkt des Zielfelds. Diese 24,5 Meter sind in der Internationalen Eisstock-Regel (IER 201) festgeschrieben und gelten für Sommeranlagen ebenso wie für Eisbahnen.
Standfeld und Zielfeld sind jeweils 6 Meter lang und 3 Meter breit. Der Deutsche Eisstock-Verband empfiehlt eine Bahnlänge von 28 Metern bei 3 Metern Breite. Auf einer solchen Bahn liegen die Felder mit ihren Markierungen, der Abspielstelle am Ende des Standfelds und dem Mittelkreuz in der Mitte des Zielfelds. Wer nur zum Spaß spielt, kommt auch mit einer kürzeren Bahn aus – im Wettkampf gelten die offiziellen Maße.
Im Netz kursieren andere Längen: 27 Meter, 12 Meter, mal 30 Meter. Die 27 Meter stammen aus der Vermessung einer einzelnen Freizeitanlage, die 12 Meter gehören zu einer verkürzten Freizeitvariante mit eigenen Regeln, und die 30 Meter sind die Gesamtlänge einer Bahn in niederländischer Darstellung. Für den Wettkampf zählt nur die IER: 24,5 Meter von der Abspielstelle bis zum Mittelkreuz.
Der Eisstock: Aufbau, Typen und Laufsohlen
Zum Eisstock gehören drei Teile: der Stiel als Griff, der Stockkörper als schwerer, flacher Körper und die Laufsohle, auf der der Stock gleitet. Der Stockkörper ist aus Stahl oder Kunststoff, der Stiel sitzt in seiner Mitte, und die Laufsohle unter dem Körper bestimmt, wie der Stock gleitet. Nur Geräte mit IFI-Zulassung – erkennbar an Registriernummer und Prüfzeichen – sind im Wettkampf erlaubt; Umbauten und Veränderungen sind verboten.
Die Laufsohle gibt es in zwei Ausführungen: Im Sommer läuft der Stock auf einer Kunststoffsohle, im Winter auf einer Gummisohle. Die Härtegrade der Sohlen sind farblich gekennzeichnet – von Lila, der weichsten Sohle, die am meisten Kraft braucht, über Blau, Gelb, Orange, Grau, Schwarz und Grün bis Weiß, der härtesten Sohle. Im Sommer gibt es zusätzlich eine hellrote Sohle mit besonderem Profil. Welche Sohle ein Spieler wählt, hängt vom Belag und von der eigenen Kraft ab: Eine weichere Sohle braucht mehr Schwung, eine härtere gleitet weiter.
Beim Weitenwettbewerb stellen die Veranstalter mindestens zwei gleiche Stockkörper mit Sohle bereit, damit alle mit demselben Gerät werfen; eigene Stiele sind dort erlaubt. Im Mannschaftsspiel spielt jede Spielerin und jeder Spieler mit dem eigenen, zugelassenen Stock. Wer einen falschen, nicht zugelassenen oder manipulierten Stock einsetzt, dessen Versuch ist ungültig und darf nicht wiederholt werden.
Die Daube: das Ziel in der Mitte
Die Daube ist das Ziel des Spiels: eine runde Gummischeibe mit einem Durchmesser von 12 Zentimetern, einer Höhe von 4 bis 4,5 Zentimetern und einem Loch in der Mitte von 6 Zentimetern Durchmesser. Auf der Wintereisfläche ist sie gelb, auf der Sommerbahn schwarz – damit sie auf dem jeweiligen Belag gut zu sehen ist. Vor jeder Kehre liegt sie auf dem Mittelkreuz, dem Mittelpunkt des Zielfelds.
Die Daube ist kein festes Ziel: Wird sie von einem Eisstock getroffen, kann sie sich innerhalb des Zielfelds verschieben – und die neue Position gilt als Ziel. Wird sie aus dem Zielfeld hinausgeschossen, legt der Schiedsrichter sie zurück auf das Mittelkreuz. In der Freizeitvariante, dem steirischen Wildschießen, wird statt der Gummischeibe traditionell eine hölzerne Daube von etwa 10 mal 10 Zentimetern mit abgeschrägten Ecken verwendet.
Das Mannschaftsspiel: Ablauf einer Kehre
Ein Spiel beginnt mit dem Maß: Die Mannschaft, die laut Spielplan zuerst spielt, schießt den ersten Stock. Danach ist immer die Mannschaft an der Reihe, deren Stock nicht in Bestlage liegt – also nicht am nächsten an der Daube. Jede Spielerin und jeder Spieler hat pro Kehre einen Versuch; eine Mannschaft spielt ihre vier Stöcke, die andere ihre vier. Nach jeder Kehre wird in die Gegenrichtung gespielt: Das Zielfeld wird zum Standfeld und umgekehrt.
Während einer Kehre darf nur eine Spielerin oder ein Spieler pro Mannschaft am Zielfeld stehen: die Spielführerin oder der Spielführer – und nur, wenn sie oder er den eigenen Versuch schon gespielt hat. Einmal pro Spiel darf die Spielführung zurück zu den Mitspielern gehen, um sich zu beraten. Alle anderen bleiben an der Abspielstelle. Ein Spiel dauert in der Regel 25 bis 30 Minuten.
Wer spielt wann? Anspiel und Reihenfolge
Wer die erste Kehre eröffnet, entscheidet der Spielplan oder das Los. Die Mannschaft, die die erste Kehre eröffnet, eröffnet auch alle ungeraden Kehren – die dritte und die fünfte. Die andere Mannschaft eröffnet die zweite und alle geraden Kehren. Diese Regel steht in der IER 422 und gilt seit der 12. Auflage auch für die neuen Formate mit vier, acht, zehn oder zwölf Kehren.
Innerhalb einer Kehre wechseln sich die Mannschaften nicht starr ab: Es spielt immer die Mannschaft, die nicht in Bestlage ist. Das führt dazu, dass eine Mannschaft auch zweimal hintereinander spielen kann – etwa wenn ihr Stock weit von der Daube entfernt liegt und der Gegner schon in Bestlage ist. Erst wenn alle acht Stöcke gespielt sind, ist die Kehre beendet und wird gewertet.
Was zählt als gültiger Versuch?
Ein Versuch beginnt an der Abspielstelle: Mindestens ein Fuß muss auf der Standvorrichtung oder der Markierung stehen, und der Stiel muss die Hand spätestens nach dem ersten Schritt verlassen haben. Wer mit dem Stock in der Hand nach vorn läuft oder den Stock schiebt, statt ihn zu spielen, macht einen ungültigen Versuch. Auch ein Versuch, der nicht von der Abspielstelle aus gespielt wird, zählt nicht.
Gültig sind nur Stöcke, die im Zielfeld liegen oder dessen Begrenzungslinien berühren – auch ein liegender Stock, der das Zielfeld berührt, zählt. Stöcke, die übereinander liegen, sind ebenfalls gültig. Ein ungültiger Versuch darf nicht wiederholt werden. Auch Probeversuche gibt es während eines Spiels nicht: Jeder gespielte Stock zählt.
Verändert eine Spielerin oder ein Spieler während einer Kehre die Lage eines Stocks oder der Daube, muss die eigene Mannschaft ihre Stöcke aus dem Zielfeld nehmen – der Gegner spielt die Kehre dann allein zu Ende. Seit der 11. Auflage der IER gibt es dafür keine Strafpunkte mehr; die Regel greift nur noch über den Spielverlust der Kehre.
Die Wertung: Stockpunkte und Gewinnpunkte
Nach den aktuellen Eisstockschiessen Regeln zählt jeder Stock einen Punkt. Gewertet werden alle Stöcke einer Mannschaft, die nach dem Ende der Kehre näher an der Daube liegen als der nächststehende Stock des Gegners. Da eine Mannschaft vier Stöcke spielt, sind höchstens vier Stockpunkte pro Kehre möglich. Liegen zwei Stöcke beider Mannschaften gleich weit von der Daube entfernt, gibt es für diese Stöcke keine Punkte.
Ein Beispiel: Team A hat drei Stöcke näher an der Daube als der beste Stock von Team B, der vierte Stock von Team A liegt weiter weg. Team A bekommt drei Stockpunkte, Team B null. Hätte Team B einen Stock zwischen die drei Stöcke von Team A geschoben, bekäme Team A nur die Stöcke gewertet, die näher liegen als der beste gegnerische Stock – die Stöcke hinter dem gegnerischen Stock zählen nicht.
Am Ende des Spiels werden die Stockpunkte aller Kehren zusammengezählt – abzüglich etwaiger Strafpunkte. Die Mannschaft mit der höheren Summe gewinnt das Spiel und bekommt zwei Gewinnpunkte, bei einem Gleichstand bekommt jede Mannschaft einen Gewinnpunkt, die Verliererin null. Bei Punktgleichheit in der Tabelle entscheiden nacheinander: die Differenz der Stockpunkte, die höhere eigene Stockpunktzahl, der direkte Vergleich und schließlich das Los. Die alte Stocknote – der Quotient aus eigenen und gegnerischen Stockpunkten – wurde mit der 11. Auflage der IER abgeschafft.
Achtung, veraltete Wertung: In vielen Anleitungen im Netz steht noch die alte Wertung – auch auf der Seite einer großen Krankenkasse: drei Punkte für den besten Stock, zwei für jeden weiteren, höchstens neun pro Kehre. Diese Wertung galt bis zur 10. Auflage der IER. Seit der 11. Auflage aus dem Jahr 2022 zählt jeder Stock genau einen Punkt, höchstens vier pro Kehre. Wer nach der alten Wertung spielt, spielt nach Regeln, die es seit Jahren nicht mehr gibt.
Strafen und Fehler
Strafpunkte gibt es für Regelverstöße – etwa für einen ungültigen Versuch, einen nicht zugelassenen oder manipulierten Stock oder das Verändern der Lage von Stock oder Daube. Die Strafpunkte werden von den Stockpunkten der Mannschaft abgezogen; die genaue Höhe richtet sich nach den Strafbestimmungen der IER.
Einen ungültigen Versuch darf man nicht wiederholen – auch dann nicht, wenn der Stock nur knapp daneben ging. Das gilt auch für Versuche, die nicht von der Abspielstelle aus gespielt wurden, für Versuche mit einem falschen Stock und für Versuche, bei denen der Stiel die Hand zu spät verlassen hat. Wer unsicher ist, fragt vor dem Versuch den Schiedsrichter – nach dem Versuch ist es zu spät.
Zielwettbewerb: Präzision in vier Durchgängen
Beim Zielwettbewerb spielt jede Spielerin und jeder Spieler allein – gegen die Ringe, nicht gegen eine gegnerische Mannschaft. Die Eisstockschiessen Regeln unterscheiden beim Zielwettbewerb zwischen dem klassischen Format und dem neuen Kompaktformat. Im klassischen Format gibt es vier Durchgänge mit je sechs Versuchen; pro Durchgang sind höchstens 60 Punkte möglich, insgesamt also 240. Das Kompaktformat, das die IER 2026 neu eingeführt hat, hat vier Durchgänge mit je vier Versuchen und höchstens 160 Punkten.
Im zweiten Durchgang kommt es auf das Ziel an: Trifft man den Zielstock, ohne dass er den Kreis verlässt, gibt es zwei Punkte. Fliegt der Zielstock aus dem Kreis und der eigene Stock gleich mit, gibt es fünf Punkte. Bleibt der eigene Stock im Kreis, während der Zielstock hinausfliegt, gibt es zehn Punkte – die Höchstwertung eines einzelnen Versuchs.
Vor dem Wettbewerb gibt es acht Minuten Aufwärmzeit. Falsch ausgeführte Versuche sind gültig, werden aber mit null Punkten bewertet. Bei Punktgleichheit entscheiden nacheinander das beste Ergebnis im vierten, dann im dritten und dann im zweiten Durchgang. Die Zeitlimits der 12. Auflage: 18 Minuten für den klassischen Einzelwettbewerb, 12 Minuten für das Kompaktformat, 9 Minuten für den Mannschafts- und den Mixed-Zielwettbewerb.
Weitenwettbewerb: der weiteste Stock gewinnt
Beim Weitenwettbewerb zählt nur die Weite: Wer seinen Stock am weitesten schießt, gewinnt. Jede Spielerin und jeder Spieler hat fünf Durchgänge, der beste Versuch zählt. Der Versuch wird ohne Anlauf von der Abspielstelle aus gespielt; eine weiße Flagge zeigt einen gültigen Versuch an, eine rote einen ungültigen. Wer nicht auf der Abspielstelle steht, dessen Versuch ist ungültig und darf nicht wiederholt werden.
Gemessen wird vom Abspielpunkt bis zur Projektion des am weitesten entfernten Teils des Stocks – senkrecht zur Leitlinie. Verlässt der Stock die Bahn, wird bis zum Austrittspunkt gemessen. Muss ein Wettbewerb wegen des Wetters abgebrochen werden, ist er mit drei absolvierten Durchgängen wertbar. Steht es am Ende der Bahn unentschieden, gibt es drei weitere Versuche.
Der Weltrekord im Weitenwettbewerb liegt bei 566 Metern – aufgestellt von Manfred Zieglgruber vom SV Unterneukirchen auf dem Seeoner See. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld ist gut 100 Meter lang – der Rekordstock ist also mehr als fünf Fußballfelder weit geflogen. Gespielt wird im Weitenwettbewerb mit dem Stocktyp P, nur Schülerinnen und Schüler, die Jugend U14 und U16 sowie die Frauen spielen mit dem Typ E.
Auch der Geschwindigkeitswettbewerb ist zurück: Die 12. Auflage der IER hat ihn 2026 wieder eingeführt. Dabei zählt die kürzeste Zeit, die ein Stock für eine Strecke von 40 Metern braucht.
Sommer und Winter: zwei Beläge, ein Sport
Eisstockschiessen ist ein Ganzjahressport: Im Winter wird auf Natureis oder in der Eishalle gespielt, im Sommer auf Asphalt oder Betonpflaster. Die Regeln sind dieselben – nur der Belag und die Laufsohle wechseln: Im Sommer läuft der Stock auf Kunststoff, im Winter auf Gummi. Die Sommerbahn ist etwas schmaler als die Winterbahn, und die trichterförmige Bahn lässt sich beliebig verlängern.
Wer im Sommer spielt, braucht keine Eishalle – eine asphaltierte Fläche mit den markierten Feldern genügt. Deshalb gibt es im Sommer viele Turniere auf Parkplätzen, Schulhöfen und Vereinsanlagen. Im Winter dagegen sind die zugefrorenen Seen und Kanäle die klassischen Spielorte – in München etwa der Nymphenburger Kanal und der Kanal vor dem Schloss Nymphenburg, wo bei Frost auf mehreren Bahnen nebeneinander gespielt wird.
Technik für Einsteiger: Haltung, Schwung und Abzug
Die Technik ist einfach zu lernen und schwer zu meistern. Der Oberkörper beugt sich nur so weit nach vorn, dass das Gesicht senkrecht über der Spitze des Ausfallbeins steht. Das Standbein bleibt gestreckt und bildet zum Ausfallbein einen Winkel von etwa 45 Grad; das Ausfallbein ist leicht gebeugt und zeigt in Zielrichtung. Fast das ganze Körpergewicht liegt auf dem Standbein, der Stockarm bleibt gestreckt und das Handgelenk fest.
Der Schwung ist ein gleichmäßiges Pendeln: Die Schwunglänge liegt zwischen 60 Zentimetern und einem Meter, hastige Bewegungen sind tabu. Mit dem Ausfallschritt in Zielrichtung beginnt der Abzug – der Stock wird aus der Hand neben dem vorderen Ausfallbein aufs Eis oder auf den Asphalt gleiten gelassen. Wichtig: Der Stiel muss die Hand spätestens nach dem ersten Schritt verlassen haben.
Für den Einstieg genügen geliehene Stöcke aus der Eishalle oder dem Verein, rutschfeste Winterschuhe und warme Kleidung in Schichten. Handschuhe schützen vor der Kälte und geben besseren Halt am Stiel. Wer regelmäßig spielt, kauft sich einen eigenen Stock – am besten nach einer Beratung im Verein, denn Stocktyp und Laufsohle hängen von Spielklasse, Kraft und Belag ab.
Geschichte und Wettkämpfe: von Bruegel bis zur WM
Eisstockschiessen ist ein alter Volkssport. Nach dem Brockhaus gehen seine Vorläufer vermutlich auf das 13. Jahrhundert und auf Skandinavien zurück; andere Darstellungen nennen das 14. Jahrhundert, ohne das zu belegen. Abgebildet ist der Sport erstmals auf zwei Gemälden von Pieter Bruegel dem Älteren, beide aus dem Jahr 1565: der „Winterlandschaft mit Eisläufern und Vogelfalle“ und den „Jägern im Schnee“. Damals spielten ganze Dörfer in harten Wintern auf zugefrorenen Seen mit einzeln gefertigten Holzstöcken, die einen Eisenring und eine gewachste Unterseite hatten.
Die ersten Vereine entstanden vor 1900, die erste Europameisterschaft fand 1951 in Garmisch-Partenkirchen statt. Die erste Weltmeisterschaft wurde 1983 in Frankfurt am Main ausgetragen – vom 24. bis 27. November. Erster Weltmeister im Weitenwettbewerb wurde Helmut Aglassinger aus Österreich mit 123,41 Metern. Die International Federation Icestocksport (IFI) in ihrer heutigen Form entstand im selben Jahr; sie hat ihren Sitz in Zürich.
Als Demonstrationssportart war Eisstockschiessen zweimal bei Olympischen Winterspielen dabei: zuerst 1936 in Garmisch-Partenkirchen, dann 1964 in Innsbruck. Auch bei den Olympischen Jugend-Winterspielen 2016 in Lillehammer war der Sport dabei. Die vollständige Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee folgte im Juli 2021 auf der 138. IOC-Session in Tokio; die IFI strebt eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2030 an.
In Deutschland organisiert der Deutsche Eisstock-Verband (DESV) den Sport. Der Verband wurde am 19. Juni 1966 in Freudenstadt gegründet und 1998 in Dortmund in den heutigen Namen umbenannt; sein Sitz ist München, die Geschäftsstelle liegt in Garmisch-Partenkirchen. Die Deutschen Meisterschaften 2026 wurden im Januar und Februar ausgetragen – der Weitenwettbewerb in Flensburg, das Mannschaftsspiel und der Zielwettbewerb in Regen. Im März 2026 war die Max-Aicher-Arena in Inzell Schauplatz der Europameisterschaft im Weitschießen sowie im Ziel- und Mannschaftsschießen der Jugend und Junioren.
Sicherheit auf dem Eis
Eisstockschiessen auf Natureis ist nur dort sicher, wo die Eisfläche offiziell freigegeben ist. Die DLRG rät, eine Eisfläche erst ab 15 Zentimetern Dicke zu betreten; über fließendem Wasser sollten es 20 Zentimeter sein. Weil warme Strömungen und wechselnde Wassertiefen das Eis an einzelnen Stellen dünn machen, lässt sich die Tragfähigkeit von außen kaum beurteilen. Knistert oder knackt das Eis unter den Füßen, ist es sofort zu verlassen.
Anders als beim Schlittschuhlaufen trägt man beim Eisstockschiessen keine Schlittschuhe, sondern rutschfeste Schuhe – Spikes sind im Weitenwettbewerb bis zu sechs Millimeter lang erlaubt. Auch auf der Bahn gilt: Während eine Spielerin oder ein Spieler an der Abspielstelle den Stock zum Abzug schwingt, muss der Bereich hinter ihr oder ihm freigehalten werden – Verletzungsgefahr.
Häufige Fragen
Wie viele Kehren hat ein Eisstockschiessen-Spiel?
Ein offizielles Mannschaftsspiel hat sechs Kehren. Das ist das Standardformat der IER 411 für alle offiziellen nationalen Wettbewerbe. Für Jugendwettbewerbe, Freizeitturniere, Ausstellungen und Wettbewerbe mit vielen Spielen oder knapper Zeit sind vier Kehren erlaubt; auf der höchsten sportlichen Ebene werden acht, zehn oder zwölf Kehren gespielt. Das Format muss vor Beginn des Wettbewerbs festgelegt werden und darf danach nicht mehr geändert werden.
Wie werden beim Eisstockschiessen Punkte gezählt?
Jeder Stock zählt einen Punkt. Nach jeder Kehre bekommt die Mannschaft Punkte für alle Stöcke, die näher an der Daube liegen als der nächststehende Stock des Gegners – höchstens vier Punkte pro Kehre. Die Stockpunkte aller Kehren werden zusammengezählt, Strafpunkte abgezogen. Die Mannschaft mit der höheren Summe gewinnt und bekommt zwei Gewinnpunkte, bei Gleichstand bekommt jede Mannschaft einen.
Was ist der Unterschied zwischen Eisstockschiessen und Curling?
Beide Sportarten werden auf Eis gespielt, aber das Gerät, die Bahn und die Regeln unterscheiden sich: Der Eisstock ist ein flacher Körper mit Stiel und wird geschoben, der Curlingstein ist ein Granitblock mit Griff und wird gleitend abgegeben. Beim Eisstockschiessen gibt es kein Fegen und kein Haus – das Ziel ist die Daube im Zielfeld. Die Bahn ist mit 24,5 Metern deutlich kürzer als ein Curling-Sheet.
Wo stehen die offiziellen Eisstockschiessen Regeln?
Die offiziellen Eisstockschiessen Regeln stehen in der Internationalen Eisstock-Regel (IER) der International Federation Icestocksport (IFI). Die aktuelle 12. Auflage gilt seit dem 1. Oktober 2026; die Schulungsunterlage mit allen Änderungen steht auf der Seite der IFI.
Kann man Eisstockschiessen auch im Sommer spielen?
Ja. Im Sommer wird auf Asphalt oder Betonpflaster gespielt, mit einer Kunststoff-Laufsohle statt der Gummisohle für das Eis. Die Regeln sind dieselben, die Sommerbahn ist nur etwas schmaler als die Winterbahn. Viele Vereine spielen das ganze Jahr – im Winter auf Eis, im Sommer auf Asphalt.
Wie schwer ist ein Eisstock?
Das hängt vom Typ ab: Der Stockkörper des Typs M wiegt 3,80 bis 3,83 Kilogramm, Typ L 3,70 bis 3,73 Kilogramm, Typ P 3,50 bis 3,53 Kilogramm und der Schülerstock Typ E 2,73 bis 2,78 Kilogramm. Dazu kommen Stiel und Laufsohle. Nur Stöcke mit IFI-Zulassung sind im Wettkampf erlaubt.
Mit diesen Eisstockschiessen Regeln bist du für die erste Kehre gerüstet – ob auf dem zugefrorenen See, in der Eishalle oder im Sommer auf Asphalt. Wer die Wertung, die Formate und die Unterschiede zum Curling kennt, spielt nicht nur besser, sondern versteht auch, warum die alten Anleitungen im Netz so oft falsch liegen.
Weiterlesen auf Sharp Magazine
- Curling Regeln: Ends, Hammer, Free Guard Zone und Wertung
- Skispringen Regeln: Wertung, Schanzen und Wettkampfformate im Überblick
- Schlittschuhlaufen lernen: Haltung, erste Schritte und sicheres Bremsen
- Biathlon Regeln: Disziplinen, Schießen, Strafen und Wertung
- Eishockey Regeln: Spielfeld, Abseits, Strafen und Wertung



Kommentare