Skispringen Regeln: Wertung, Schanzen und Wettkampfformate im Überblick
Beim Skispringen gewinnt nicht automatisch, wer am weitesten fliegt. Die Skispringen-Regeln entscheiden über Sieg und Niederlage aus drei Bausteinen: der Weite, der Haltung im Flug und bei der Landung sowie einem Ausgleich für Wind und Anlauflänge. Erst die Summe aller Punkte aus zwei Wertungsdurchgängen ergibt die Platzierung.

In diesem Artikel
- Wie läuft ein Skisprung-Wettkampf ab?
- Welche Schanzengrößen gibt es?
- Wie werden die Weitenpunkte berechnet?
- Wie bewerten die Punktrichter den Stil?
- Was sind Wind- und Gatefaktor?
- Wie funktioniert das K.-o.-System der Vierschanzentournee?
- Welche Wettkampfformate gibt es im Weltcup?
- Welche Regeln gelten für Ausrüstung und Anzug?
- Wie hat sich das Skispringen entwickelt?
- Was geschah bei Olympia 2026 in Predazzo?
- Was bringt die Saison 2026/27?
- Häufige Fragen zum Skispringen
- Weiterlesen auf Sharp Magazine
Wer die Wertung versteht, sieht im Fernsehen sofort, warum ein kürzerer Sprung mit sauberer Landung einen längeren, aber unsauberen Flug schlagen kann. Dieser Überblick erklärt die Regeln so, wie sie der Weltverband FIS für Weltcup, Vierschanzentournee und Olympische Spiele festlegt – von der Schanzengröße über den K-Punkt bis zum K.-o.-System der Tournee.
Wie läuft ein Skisprung-Wettkampf ab?
Ein Wettbewerb besteht in der Regel aus einem Qualifikationsdurchgang und zwei Wertungsdurchgängen. In der Qualifikation springen alle gemeldeten Athleten einmal. Die 50 besten von ihnen dürfen am Hauptwettbewerb teilnehmen. Seit der Saison 2017/18 gibt es dabei keine Sonderregel mehr: Auch die zehn Besten des Gesamtweltcups müssen sich wie alle anderen qualifizieren. Zuvor waren sie automatisch startberechtigt.
Im ersten Wertungsdurchgang springen die 50 Qualifizierten in umgekehrter Reihenfolge ihrer Qualifikationsplatzierung. Nur die 30 besten Springer des ersten Durchgangs kommen in den zweiten Durchgang. Für die Platzierung werden die Punkte beider Wertungsdurchgänge addiert. Sieger ist, wer nach zwei Sprüngen die höchste Gesamtpunktzahl hat. Kann der zweite Durchgang aus Witterungsgründen nicht stattfinden, zählt allein der erste Durchgang. Die Skispringen-Regeln behandeln seit der Saison 2017/18 alle Springer gleich, auch die Favoriten.
Neben den Einzelspringen gibt es Mannschaftswettbewerbe. Im Teamspringen starten für jede Nation üblicherweise vier Springer, deren Punkte addiert werden. Seit den Olympischen Spielen 2026 in Predazzo gibt es außerdem das Super-Teamspringen mit nur zwei Springern pro Nation. Das Mixed-Teamspringen bestreiten zwei Frauen und zwei Männer einer Nation gemeinsam. Wie der Biathlon gehört das Skispringen zu den nordischen Skidisziplinen, doch anders als dort entscheidet hier kein Schießen über Sieg und Niederlage, sondern allein die Punktwertung der Sprünge.
Ein Sprung selbst dauert nur wenige Sekunden, folgt aber einem festen Ablauf. Der Springer setzt sich auf den Balken im Anlauf, stößt sich mit den Händen ab und fährt in tiefer Hocke die Anlaufspur hinab. Am Schanzentisch springt er bei etwa 90 Kilometern pro Stunde ab, zieht die Skispitzen zum Körper und breitet die Ski zum V auseinander. Im Flug hält er diese Haltung, bis er die Landung einleitet: Die Ski kommen wieder parallel, ein Fuß geht vor, die Arme öffnen sich. Diese Landetechnik heißt Telemark.
Welche Schanzengrößen gibt es?
Die Skispringen-Regeln unterscheiden fünf Schanzenklassen. Entscheidend sind zwei Maße: der K-Punkt, der Konstruktionspunkt, und die Hillsize, kurz HS. Der K-Punkt markiert die Stelle, an der die Aufsprungbahn in den Radius übergeht, der das Ende der Landezone bildet. Die Hillsize misst die Strecke vom Schanzentisch bis zum Ende des gesicherten Landebereichs und beschreibt damit die Größe der Schanze.
Die Hillsize ersetzt seit 2004 den früher üblichen K-Punkt als Maß für die Größe einer Schanze. Der K-Punkt wird trotzdem weiter gebraucht, denn nach ihm berechnen sich die Weitenpunkte. Eine Normalschanze hat eine Hillsize von 85 bis 109 Metern, eine Großschanze von 110 bis 184 Metern. Ab einer Hillsize von 185 Metern spricht man von einer Flugschanze. Weltweit gibt es nur fünf Flugschanzen.
Die vier Schanzen der Vierschanzentournee sind allesamt Großschanzen: Oberstdorf mit HS137, Garmisch-Partenkirchen mit HS142, Innsbruck mit HS128 und Bischofshofen mit HS142. Bei Olympischen Spielen wird seit 1964 auf zwei Schanzen gesprungen, der Normalschanze und der Großschanze; seit 1992 werden sie nach ihrem K-Punkt bezeichnet: 90 Meter bei der Normalschanze und 120 Meter bei der Großschanze. Die größte Schanze der Welt ist die Letalnica in Planica mit HS240, auf der die weitesten Flüge der Geschichte gelandet wurden.
Wie werden die Weitenpunkte berechnet?
Die Weite wird per Videoweitenmessung auf einen halben Meter genau bestimmt. Aus Standbildern einer Videokamera wird eine Weitenlinie auf den Landepunkt extrapoliert. Als Landepunkt gilt bei einer Telemark-Landung die Mitte zwischen den beiden Füßen; bei einer parallelen Landung zählt der Berührungspunkt der Skier mit dem Schnee. Für den Fall eines Systemausfalls stehen Weitenrichter bereit.
Für einen Sprung genau auf den K-Punkt gibt es 60 Weitenpunkte, auf Flugschanzen 120. Für jeden Meter über oder unter dem K-Punkt werden Punkte addiert oder abgezogen. Der Meterwert hängt von der Schanzengröße ab: Auf einer Normalschanze sind es 2,0 Punkte je Meter, auf einer Großschanze 1,8 Punkte und auf einer Flugschanze 1,2 Punkte. Je kleiner die Schanze, desto mehr zählt also jeder einzelne Meter.
Ein Beispiel zeigt die Rechnung: Auf einer Großschanze mit K120 springt ein Athlet 130 Meter weit. Er erhält 60 Punkte für den K-Punkt plus zehn Meter mal 1,8 Punkte, also 78 Weitenpunkte. Springt er dagegen nur 115 Meter weit, werden ihm fünf Meter mal 1,8 Punkte abgezogen, und er erhält 51 Weitenpunkte. Die Weitennote allein entscheidet den Wettkampf aber nicht – sie ist nur die eine Hälfte der Gesamtnote.
Wie bewerten die Punktrichter den Stil?
Die zweite Hälfte der Gesamtnote kommt von den Punktrichtern. Normalerweise fünf, mindestens aber drei Richter vergeben Noten für die drei Kategorien Flug, Landung und Ausfahrt. Die Richter starten bei der Idealnote 20,0 und ziehen in jeder Fehlergruppe null bis fünf Punkte in halben Schritten ab, in der Gruppe Ausfahrt bis zu sieben Punkte. Von den fünf Noten werden die höchste und die niedrigste gestrichen. Übrig bleiben drei Noten, deren Summe die Haltungsnote bildet – höchstens 60 Punkte.
Entscheidend ist die saubere Ausführung vom Absprung bis zum Ausfahren über die Sturzgrenze. Die Richter achten auf die Fluglage, auf ruhige Arme und einen stabilen V-Stil, auf die Telemark-Landung und auf das sichere Ausfahren. Wer die Landung nicht im Telemark steht, sondern mit parallel aufgesetzten Skiern landet, verliert deutlich an Punkten. Diese Parallel- oder Haferllandung wählen Springer aus Sicherheitsgründen manchmal bei besonders großen Weiten, sie wird aber klar schlechter bewertet.
Ein Sturz kostet besonders viele Punkte: Berührt ein Springer bei der Landung mit dem Gesäß oder einer Hand den Schnee, werten die Richter das mit einem Abzug von sieben Punkten. Umgekehrt gilt ein Sprung als perfekt, wenn alle fünf Punktrichter die Höchstnote 20 vergeben. Das gelang in der Geschichte des Skispringens erst elf Springern. Kazuyoshi Funaki und Daniel Tschofenig sind die einzigen, denen das bei mehreren Wettbewerben gelang. Beim Weltcup-Springen am 29. März 2026 in Planica erhielten erstmals in einem einzigen Wettbewerb drei Springer fünfmal die Höchstnote.
Die Haltungsnote erklärt, warum Weite allein nicht reicht. Ein Springer, der zehn Meter weiter fliegt als sein Konkurrent, gewinnt auf einer Großschanze 18 Weitenpunkte. Verliert er aber durch eine unsaubere Landung und einen wackeligen Flug bei drei Richtern je vier Punkte, gibt er zwölf Haltungspunkte ab – und der Vorsprung schmilzt. Gute Springer holen von den Richtern regelmäßig zwischen 50 und 58 Punkte je Sprung.
Was sind Wind- und Gatefaktor?
Skispringen ist eine Freiluftsportart. Während eines Durchgangs ändern sich die Windverhältnisse ständig, und kein Springer springt unter exakt denselben Bedingungen wie sein Vorgänger. Deshalb führen die Skispringen-Regeln seit der Saison 2009/10 einen Wind- und einen Gatefaktor ein. Offiziell gelten beide seit dem Sommer 2010. Sie gleichen Vor- und Nachteile aus, die ein Springer nicht selbst zu verantworten hat.
Der Windfaktor beruht auf Messungen an fünf Punkten der Schanze. Aus den gemessenen Windgeschwindigkeiten und -richtungen wird ein Durchschnittswert gebildet, der Windwert. Rückenwind, der den Sprung behindert, bringt Bonuspunkte. Aufwind dagegen, der den Springer trägt und die Weite verlängert, führt zu Punktabzügen. So wird verhindert, dass ein Springer nur deshalb gewinnt, weil er zufällig den günstigsten Wind erwischt hat.
Der Gatefaktor, auch Weiten- oder Torfaktor genannt, funktioniert ähnlich. Die Jury kann die Anlauflänge während eines Durchgangs verändern, ohne den Durchgang neu starten zu müssen. Eine höhere Startluke bedeutet mehr Anlaufgeschwindigkeit und damit weitere Sprünge, also werden Punkte abgezogen. Eine tiefere Startluke verkürzt den Anlauf, dafür gibt es Punkte gutgeschrieben. Der Faktor wird für jede Schanze einzeln berechnet und gibt an, wie sich die Sprungweite bei einer Anlaufveränderung um einen Meter ändert.
Seit der Saison 2012/13 dürfen auch die Trainer über den roten Knopf eine Veränderung der Anlauflänge für ihre Springer bewirken. Fragt ein Trainer eine Anlaufverkürzung an, erhält sein Springer die Kompensationspunkte dafür allerdings nur, wenn er beim Sprung 95 Prozent der Hillsize-Marke erreicht. Damit soll verhindert werden, dass ein Trainer den Anlauf verkürzt, um einen schwachen Springer vor einem zu weiten Sprung zu schützen, und dafür auch noch Punkte kassiert.
Wie funktioniert das K.-o.-System der Vierschanzentournee?
Die Vierschanzentournee ist der bekannteste Wettbewerb im Skispringen. Sie findet seit 1952 jedes Jahr über den Jahreswechsel auf vier Schanzen in Deutschland und Österreich statt und gehört seit 1979 zum Weltcup. Ihre Besonderheit ist das K.-o.-System der Skispringen-Regeln, das seit der Saison 1996/97 gilt. Bei allen anderen Weltcup-Wettbewerben kommen die 30 besten Springer des ersten Durchgangs in den zweiten Durchgang. Bei der Tournee dagegen springen die 50 Qualifizierten in 25 Duellen gegeneinander.
Die Paarungen ergeben sich aus der Qualifikation: Der Erste springt gegen den Fünfzigsten, der Zweite gegen den Neunundvierzigsten und so weiter. Deshalb ist die Qualifikation bei der Tournee wichtiger als sonst, denn sie legt nicht nur die Teilnahme fest, sondern auch den Gegner. Der Sieger jedes Duells kommt direkt in den zweiten Durchgang. Dazu kommen die fünf punktbesten Verlierer, die sogenannten Lucky Loser. So besteht das Feld des zweiten Durchgangs aus 30 Springern.
Das System führt zu Ergebnissen, die es im normalen Modus nicht gäbe. So kann ein Springer, der nach Punkten unter den besten 30 läge, ausscheiden, weil er sein Duell verloren hat und fünf Verlierer vor ihm liegen. Umgekehrt reicht einem Springer auf einem hinteren Rang ein Duellsieg zum Weiterkommen. Bei stark wechselndem Wetter kann das K.-o.-System sogar gerechter sein: Ein Springer, dessen Chancen durch Rückenwind sinken, bekommt mit seinem Duellgegner einen Springer, der kurz zuvor unter ähnlichen Bedingungen springen musste.
Der K.-o.-Modus gilt allerdings nur, wenn die Qualifikation am Vortag des Springens stattfindet. Muss sie witterungsbedingt am Wettkampftag ausgetragen werden oder entfällt sie ganz, wird nach den normalen Weltcupregeln gesprungen. Zuletzt war das am 29. Dezember 2020 in Oberstdorf der Fall.
Gesamtsieger der Tournee wird, wer nach allen acht Sprüngen die meisten Punkte gesammelt hat. Nur drei Springern gelang es bisher, alle vier Wettbewerbe einer Tournee zu gewinnen: Sven Hannawald in der Saison 2001/02 als Erstem, Kamil Stoch 2017/18 und Ryōyū Kobayashi 2018/19. Janne Ahonen ist mit fünf Gesamtsiegen der erfolgreichste Tourneespringer, vor Jens Weißflog mit vier Siegen. Den Punkterekord hält seit der 74. Tournee 2025/26 Domen Prevc mit 1.195,6 Punkten. Bei der Tournee 2005/06 gab es mit Janne Ahonen und Jakub Janda erstmals zwei punktgleiche Sieger.
Die 75. Vierschanzentournee läuft vom 28. Dezember 2026 bis zum 6. Januar 2027. Zum ersten Mal gibt es dabei auch eine vollständige Tournee für die Frauen auf denselben vier Schanzen. Die Frauen springen jeweils einen Tag vor den Männern: Oberstdorf am 28. Dezember, Garmisch-Partenkirchen am 31. Dezember, Innsbruck am 2. Januar und Bischofshofen am 5. Januar 2027. Die Männerwettkämpfe in Oberstdorf und Bischofshofen finden als Nachtspringen statt.
Welche Wettkampfformate gibt es im Weltcup?
Der Skisprung-Weltcup ist die höchste Wettkampfserie der FIS. Er wurde in der Saison 1979/80 für die Männer eingeführt, die Frauen tragen seit der Saison 2011/12 eine eigene Weltcupserie aus. Eine Saison umfasst rund 25 bis 30 Wettbewerbe, zumeist auf Großschanzen in Europa, vereinzelt auch in Asien und Nordamerika. Die Ergebnisse der Tournee, der Raw Air und weiterer Serien fließen in die Weltcupwertungen ein. Die Ergebnisse von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften dagegen nicht.
Für den Gesamtweltcup zählen die Weltcuppunkte aus allen Einzelwettbewerben einer Saison. Die 30 bestplatzierten Teilnehmer eines Einzelspringens erhalten Punkte nach dem FIS-Punktesystem. Der Sieger bekommt 100 Punkte, der Zweite 80, der Dritte 60, der Vierte 50 und der Fünfte 45 Punkte. Danach geht es in kleineren Schritten weiter bis zum 30. Platz mit einem Punkt. Wer am Saisonende die meisten Punkte hat, gewinnt die Große Kristallkugel. Der Führende im Gesamtweltcup trägt in jedem Wettbewerb das Gelbe Trikot.
Auch die Nationenwertung folgt einem festen Schema. Bei Teamspringen erhalten die acht besten Nationen Punkte von 400 für den Sieger bis 50 für den achten Platz. Bei Superteam-Wettbewerben bekommen die zwölf besten Nationen Punkte von 200 bis 10. Daneben gibt es seit 1991 eine eigene Skiflug-Weltcupwertung, deren Sieger eine Kleine Kristallkugel erhält. Die Saison endet traditionell im März mit dem Skifliegen in Planica. Die Raw Air, seit 2017 in Norwegen ausgetragen, fasst mehrere Springen an zehn Tagen zu einer eigenen Wertung zusammen, bei der auch die Qualifikationssprünge zählen. Im Sommer gibt es seit 1994 den Sommer-Grand-Prix auf Mattenschanzen, darunter liegt der Continental Cup als zweithöchste Wettkampfklasse.
Welche Regeln gelten für Ausrüstung und Anzug?
Die Ausrüstung ist im Skispringen streng reglementiert, denn Materialvorteile entscheiden über Meter und Punkte. Die Skilänge darf höchstens 145 Prozent der Körpergröße betragen. Wer einen Body-Mass-Index unter 21 hat, muss kürzere Ski verwenden, weil sehr leichte Springer sonst zu lange in der Luft bleiben würden. Das Gewicht wird dabei ohne Helm, Brille, Handschuhe und Sprungschuhe ermittelt. Zu lange Ski führen ebenso zur Disqualifikation wie zu weite Anzüge.
Die Sprunganzüge bestehen seit der Saison 2025/26 aus fünf laminierten Schichten mit einer Dicke von vier bis sechs Millimetern und müssen eine Luftdurchlässigkeit von mindestens 40 Litern pro Quadratmeter und Sekunde aufweisen. Je dichter der Stoff, desto besser trägt er den Springer in der Luft. Deshalb werden die Anzüge zu Saisonbeginn vermessen und verplombt, während der Saison gibt es Stichprobenkontrollen. Die Anzüge müssen eng am Körper anliegen: Ihre Maße dürfen die Körpermaße um höchstens zwei Zentimeter überschreiten, an Ärmel und Schritt bis zu vier Zentimeter. An den Ärmelenden sitzen Schlaufen, die zwischen den Fingern festgezogen werden und für einen faltenfreien Sitz sorgen.
Auch die Startnummer ist Pflicht. Ohne Nummer wird ein Springer disqualifiziert, wie es dem US-Amerikaner Bill Demong bei der Weltmeisterschaft 2009 im Teamwettbewerb der Nordischen Kombination widerfuhr. Die Bindung muss so sitzen, dass der vordere Teil des Skis bis zur Bindung höchstens 57 Prozent der Gesamtlänge ausmacht. Skispringen gilt als gefährliche und technisch anspruchsvolle Sportart, weshalb die FIS die Ausrüstungsregeln immer wieder verschärft hat, um Stürze und schwere Verletzungen zu begrenzen.
Wie hat sich das Skispringen entwickelt?
Die erste Nachricht über ein Skispringen stammt aus dem Jahr 1796, als der holländische Seeoffizier Cornelius de Jong über eine Übung norwegischer Soldaten berichtete. 1860 sprang der Zimmermann Sondre Norheim von einer improvisierten Schanze bereits 30,5 Meter weit. Der erste größere jährlich ausgetragene Wettkampf fand 1879 auf dem Husebybakken in Oslo statt, 1892 zog er auf den Holmenkollbakken um. In Mitteleuropa begann das Skispringen am 2. Februar 1891 mit dem steirischen Sprunglauf in Mürzzuschlag. In Deutschland fand 1893 ein erster Wettkampf statt, bei den ersten Deutschen Meisterschaften im Februar 1900 wurden 17,5 Meter gesprungen.
Seit den ersten Olympischen Winterspielen 1924 gehört das Skispringen der Männer zum olympischen Programm. Die Frauen mussten lange warten: Erst 2014 in Sotschi war Frauenskispringen erstmals olympisch, zunächst nur auf der Normalschanze. Seit 2026 wird auch auf der Großschanze gesprungen, und seit 2022 gibt es ein Mixed-Mannschaftsspringen. Die letzte technische Revolution brachte Anfang der 1990er-Jahre der V-Stil. Der Schwede Jan Boklöv setzte sich mit V-förmig gespreizten Skiern gegen den Parallelstil durch, weil die bessere Aerodynamik deutlich weitere Sprünge erlaubte. Bis 1992 übernahmen nahezu alle Springer diese Technik.
Die Weitenrekorde wuchsen mit Technik und Material. 1936 sprang der Österreicher Sepp Bradl als Erster über 100 Meter. 1962 verbesserte der Deutsche Peter Lesser den Weltrekord auf 141 Meter. Der erste gestandene Flug über 200 Meter gelang 1994 dem Finnen Toni Nieminen mit 203 Metern. Stefan Kraft hielt den Rekord ab 2017 mit 253,5 Metern aus Vikersund, bis Domen Prevc ihn am 30. März 2025 in Planica mit 254,5 Metern brach. Seine Schwester Nika Prevc stellte am 27. März 2026 auf derselben Schanze mit 242,5 Metern den Frauenrekord auf. Die FIS selbst führt übrigens keine offiziellen Weltrekordlisten, sondern bezieht sich nur auf Schanzengröße, K-Punkt und Schanzenprofil.
In Deutschland konzentriert sich der Skisprungsport auf mehrere Mittelgebirge: das Erzgebirge, den Thüringer Wald, das Vogtland und das Fichtelgebirge im Osten, dazu die Bayerischen Alpen, den Bayerischen Wald, den Südschwarzwald und das Sauerland im Süden und Westen. Springer wie Jens Weißflog, Martin Schmitt, Sven Hannawald und Dieter Thoma machten die Sportart in Deutschland populär. Im Fernsehen übertragen in Deutschland während der Wintersaison ARD und ZDF die Wettbewerbe im Wechsel, dazu zeigt Eurosport die Springen im Pay-TV.
Was geschah bei Olympia 2026 in Predazzo?
Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo fanden die Skisprungwettbewerbe vom 7. bis 16. Februar 2026 im Predazzo Ski Jumping Stadium statt. Es gab sechs Entscheidungen: je zwei Einzelwettbewerbe für Männer und Frauen, ein Super-Teamspringen der Männer und ein Mixed-Teamspringen. Erstmals wurde bei Olympia ein Großschanzenwettbewerb der Frauen ausgetragen.
Aus deutscher Sicht war der größte Erfolg das Gold von Philipp Raimund auf der Normalschanze. Der 25-Jährige, der zuvor noch nie ein Weltcupspringen gewonnen hatte, siegte mit 274,1 Punkten vor dem Polen Kacper Tomasiak mit 270,7 Punkten. Bronze ging gleich an zwei Springer: Der Japaner Ren Nikaidō und der Schweizer Gregor Deschwanden waren punktgleich und erhielten beide eine Medaille – das erste Vierer-Podium im olympischen Skispringen. Auf der Großschanze gewann Domen Prevc mit 301,8 Punkten vor Nikaidō und Tomasiak. Bei den Frauen holte die Norwegerin Anna Odine Strøm beide Einzeltitel, das Mixed-Teamspringen gewann Slowenien um Domen und Nika Prevc, das Super-Team Österreich mit Jan Hörl und Stephan Embacher.
Was bringt die Saison 2026/27?
Die Weltcup-Saison 2026/27 beginnt am 20. November 2026 in Lillehammer und endet am 21. März 2027 mit dem Skifliegen in Planica. Höhepunkt der Saison ist die Nordische Skiweltmeisterschaft 2027 in Falun. Zum ersten Mal werden die Weltcup-Kalender der Männer und Frauen zusammengelegt, und die Frauen erhalten ihre erste vollständige Vierschanzentournee. In der Saison stehen außerdem vier Mixed-Wettkämpfe auf dem Plan.
Beim Deutschen Skiverband gibt es einen Neuanfang an der Spitze: Anfang April 2026 wurde Andreas Mitter als neuer Cheftrainer der Männer vorgestellt. Die vergangene Saison 2025/26 dominierte Slowenien: Domen Prevc gewann den Gesamtweltcup, den Skiflug-Weltcup und die Vierschanzentournee, seine Schwester Nika Prevc den Gesamtweltcup der Frauen. Wer die neue Saison verfolgt, sollte auf die ersten Springen in Lillehammer achten – dort zeigt sich, ob die Prevcs ihre Form halten oder ob die deutschen Springer um Philipp Raimund, Andreas Wellinger und Karl Geiger den Anschluss finden.
Häufige Fragen zum Skispringen
Wie viele Punkte gibt es für den K-Punkt?
Für einen Sprung genau auf den K-Punkt gibt es 60 Weitenpunkte, auf Flugschanzen 120 Punkte. Jeder Meter darüber bringt je nach Schanzengröße 2,0 Punkte auf der Normalschanze, 1,8 Punkte auf der Großschanze und 1,2 Punkte auf der Flugschanze zusätzlich. Jeder Meter darunter kostet denselben Betrag.
Warum gewinnt nicht immer der weiteste Springer?
Weil die Gesamtnote aus Weitenpunkten und Haltungsnoten besteht und Wind- und Gatefaktor dazukommen. Ein weiter Sprung mit unsauberer Landung kann weniger Punkte bringen als ein kürzerer Sprung mit hohen Haltungsnoten. Außerdem kann Rückenwind Bonuspunkte bringen, während Aufwind Punkte kostet.
Was ist der Unterschied zwischen K-Punkt und Hillsize?
Der K-Punkt ist der Konstruktionspunkt in der Landezone, nach dem sich die Weitenpunkte berechnen. Die Hillsize ist das Maß für die Größe der Schanze: die Strecke vom Schanzentisch bis zum Ende des gesicherten Landebereichs. Seit 2004 beschreibt die Hillsize die Schanzengröße, der K-Punkt bleibt die Rechengröße für die Punkte.
Wie funktioniert das K.-o.-System bei der Vierschanzentournee?
Die 50 Qualifizierten springen in 25 Duellen gegeneinander, der Erste der Qualifikation gegen den Fünfzigsten, der Zweite gegen den Neunundvierzigsten und so weiter. Die 25 Duellsieger und die fünf punktbesten Verlierer, die Lucky Loser, kommen in den zweiten Durchgang. Das System ist seit der Saison 1996/97 Teil der Skispringen-Regeln.
Was ist Skifliegen?
Skifliegen ist das Skispringen auf besonders großen Schanzen ab einer Hillsize von 185 Metern. Die Regeln sind dieselben wie beim Skispringen, aber der K-Punkt bringt 120 statt 60 Punkte, und der Meterwert liegt bei nur 1,2 Punkten. Weltweit gibt es nur fünf Flugschanzen, die größte ist die Letalnica in Planica mit HS240.
Wie lang dürfen die Skier beim Skispringen sein?
Die Skilänge darf höchstens 145 Prozent der Körpergröße betragen. Wer einen Body-Mass-Index unter 21 hat, muss kürzere Ski verwenden. Das Gewicht wird ohne Helm, Brille, Handschuhe und Sprungschuhe ermittelt. Zu lange Ski führen zur Disqualifikation.
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- Eishockey Regeln: Spielfeld, Abseits, Strafen und Wertung
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