Godehard Giese: Biografie, Babylon Berlin und der Deutsche Filmpreis 2025

In diesem Artikel
- Wie alt ist Godehard Giese?
- Wo wurde Godehard Giese geboren?
- Kindheit und Ausbildung: Vom Germanistik-Studium an die UdK Berlin
- Theaterjahre: Stadttheater Hildesheim
- Durchbruch im Fernsehen: „Tatort“, „Der Kriminalist“, „SOKO 5113″
- „Deutschland 83″ und der internationale Durchbruch
- „Babylon Berlin“: Wilhelm Böhm, der erzkonservative Kommissar
- Kino: „Transit“, „Liebmann“, „Die Konferenz“
- Als Regisseur: „Die Geschichte vom Astronauten“
- „Sad Jokes“ und der Deutsche Filmpreis 2025
- Godehard Giese privat: Coming-out und die Initiative #actout
- Auszeichnungen in Auswahl
- Filmografie in Auswahl
- Häufig gestellte Fragen
- Weiterlesen auf Sharp Magazine
Godehard Giese ist einer jener Schauspieler, deren Gesicht fast jeder kennt, deren Name aber viel zu selten fällt: Der gebürtige Bamberger, geboren am 20. Oktober 1972, spielt seit Jahren in den wichtigsten deutschen Produktionen — vom „Tatort“ über „Babylon Berlin“ und „Deutschland 83″ bis zum Kinofilm „Sad Jokes“, für den er 2025 mit dem Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde. Der heute 54-Jährige ist zudem Regisseur und war 2021 Mitinitiator der vielbeachteten Initiative #actout. Ein Porträt über Karriere, Auszeichnungen und Privatleben.
Wie alt ist Godehard Giese?
Godehard Giese ist 54 Jahre alt. Er wurde am 20. Oktober 1972 in Bamberg geboren und feierte seinen 54. Geburtstag am 20. Oktober 2026 — nur wenige Tage vor Erscheinen dieses Porträts. In einigen wenigen älteren Online-Quellen kursieren abweichende Angaben zu Geburtsjahr und -ort; maßgeblich sind die Angaben seiner Agentur und der deutschsprachigen Wikipedia, die übereinstimmend den 20. Oktober 1972 in Bamberg nennen.
Wo wurde Godehard Giese geboren?
Giese wurde in Bamberg in Oberfranken geboren, wuchs jedoch in Hamburg auf, wo er die Sankt-Ansgar-Schule besuchte. Die Hansestadt prägte ihn ebenso wie später Berlin, wo er seit vielen Jahren lebt und arbeitet.
Kindheit und Ausbildung: Vom Germanistik-Studium an die UdK Berlin
Godehard Gieses Weg zur Schauspielerei führte über einen Umweg, der für sein späteres Spiel als Charakterdarsteller prägend werden sollte. Zunächst studierte er von 1994 bis 1997 Germanistik und Italianistik an der Humboldt-Universität zu Berlin — eine geisteswissenschaftliche Grundlage, die sich in der intellektuellen Durchdringung seiner Rollen widerspiegelt. Erst danach, von 1997 bis 2001, absolvierte er sein Schauspielstudium an der Universität der Künste Berlin (UdK), einer der renommiertesten Schauspielschulen des Landes.
Auch nach dem Abschluss bildete sich Giese weiter: Von 2009 bis 2011 nahm er an Meisner-Workshops bei Mike Bernardin und Frank Betzelt teil. Die Meisner-Technik mit ihrem Fokus auf authentische Reaktion im Moment gilt als besonders anspruchsvoll und wird von vielen international renommierten Darstellern praktiziert — ein Hinweis auf Gieses handwerklichen Anspruch an sich selbst. Seine Italianistik-Studien prägen ihn bis heute: In einem Interview mit filmportal.de nannte er Marcello Mastroianni und Gian Maria Volonté als Vorbilder und scherzte, dabei komme wohl „seine italienische Seite“ zum Vorschein.
Theaterjahre: Stadttheater Hildesheim
Sein erstes festes Engagement nach dem Studium führte Godehard Giese von 2001 bis 2003 ans Stadttheater Hildesheim. Dort verkörperte er unter anderem den Hauptmann in Goethes „Die Wahlverwandtschaften“ — eine klassische Rolle, die stimmliche Präsenz und innere Haltung verlangt. Die Theaterjahre legten das Fundament für seine spätere Leinwandpräsenz: Giese gilt als Darsteller, der auch in kleinen Rollen eine Szene tragen kann, ohne sie an sich zu reißen.

Durchbruch im Fernsehen: „Tatort“, „Der Kriminalist“, „SOKO 5113″
Ab Mitte der 2000er-Jahre begann Giese regelmäßig für Film und Fernsehen zu drehen — und wurde schnell zu einem gefragten Gesicht des deutschen Krimigenres. In der ARD-„Tatort“-Reihe war er in zahlreichen Episoden zu sehen: „Liebeshunger“ (2007), „Satisfaktion“ (2007), „Bluthochzeit“ (2010), „Leben gegen Leben“ (2011), „Fette Hunde“ (2012), „Kalter Engel“ (2013), „Goldbach“ (2017) und „Erbarmen, zu spät“ (2022), in dem er eine Episoden-Hauptrolle übernahm. Dazu kamen Auftritte in „Der Kriminalist“, „SOKO 5113″ sowie in der ZDF-Reihe „Wilsberg“ („Doktorspiele“, 2009; „Gegen den Strom“, 2013).
Was Giese in all diesen Rollen auszeichnet, ist seine Wandlungsfähigkeit: Mal ist er der undurchsichtige Verdächtige, mal der überforderte Familienvater, mal der kühle Funktionär. Er spielt keine Typen, sondern Menschen — mit Brüchen, Zweifeln und Abgründen.
„Deutschland 83″ und der internationale Durchbruch
Einem internationalen Publikum wurde Godehard Giese 2015 mit der vielfach preisgekrönten Serie „Deutschland 83″ bekannt. Als Oberstleutnant Karl Kramer, Stasi-Offizier und Kollege des von Jonas Nay gespielten Martin Rauch, verkörperte er die bedrohliche Alltäglichkeit des Überwachungsapparats. Die Serie wurde unter anderem mit dem International Emmy Award ausgezeichnet und lief in zahlreichen Ländern — für Giese bedeutete sie den Sprung aus der deutschen Fernsehlandschaft hinaus auf die internationale Bühne.
„Babylon Berlin“: Wilhelm Böhm, der erzkonservative Kommissar
Von 2017 bis 2024 gehörte Godehard Giese zum Ensemble von „Babylon Berlin“, der aufwendigsten deutschen Fernsehproduktion aller Zeiten. Als Kriminaloberkommissar Wilhelm Böhm spielte er den erzkonservativen Gegenspieler von Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) — einen Mann, der von berufstätigen Frauen ohnehin nichts hält und seine Vorurteile offen zur Schau trägt. Gerade weil Böhm so unsympathisch angelegt ist, war Gieses differenzierte Darstellung eine schauspielerische Glanzleistung: Er machte aus einer Figur, die leicht zur Karikatur hätte verkommen können, einen glaubwürdigen, ja beinahe tragischen Charakter.

Kino: „Transit“, „Liebmann“, „Die Konferenz“
Auch im Kino ist Giese längst etabliert — und arbeitete dabei mit einigen der renommiertesten Regisseure des Landes und darüber hinaus: Christian Petzold („Transit“, 2018, als Richard), Wim Wenders, Tom Tykwer, Gore Verbinski („A Cure for Wellness“, 2016) und Oliver Hirschbiegel zählen zu seinen Regisseuren. Für seine Hauptrolle in „Liebmann“ (2016) wurde er 2018 für den Preis der deutschen Filmkritik als bester Schauspieler nominiert. In „Die Wannseekonferenz“ (2022) übernahm er eine Hauptrolle in der vielbeachteten ZDF-Verfilmung der berüchtigten NS-Konferenz.
Zu seinen weiteren Kinorollen zählen „Niemand ist bei den Kälbern“ (2021, als Klaus) — für den er 2022 für den Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller nominiert wurde — sowie „Es gilt das gesprochene Wort“, das ihm 2020 eine weitere Nominierung für den Deutschen Filmpreis in derselben Kategorie einbrachte.
Als Regisseur: „Die Geschichte vom Astronauten“
Godehard Giese ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Sein Langfilm-Regiedebüt „Die Geschichte vom Astronauten“ feierte am 22. Januar 2014 im Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis seine Premiere; Giese schrieb das Drehbuch, produzierte den Film selbst und spielte darin die Rolle des Robert. Der 77-minütige Film erzählt von einer Autorin, die auf einer Mittelmeerinsel an ihrem neuen Buch arbeitet und dabei ihr eigenes Leben hinterfragt. Beim Festival Achtung Berlin wurde die Produktion 2014 als beste Produktion ausgezeichnet; der Kinostart folgte am 3. Dezember 2015.
Über seine doppelte Perspektive sagte Giese einmal in einem Interview mit dem Portal filmportal.de: Die Erfahrung als Regisseur habe ihm geholfen, ein Außenbild von sich selbst als Schauspieler zu gewinnen. Schauspielerei bedeute für ihn, gut vorbereitet zu sein, um im Moment des Drehs loslassen zu können — und sich in einen Zustand der Erregung katapultieren zu lassen, „der wirklich wunderbar ist“.

„Sad Jokes“ und der Deutsche Filmpreis 2025
Der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere: Für seine Rolle als Gero in Fabian Stumms Tragikomödie „Sad Jokes“ (2024) wurde Godehard Giese bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises im Mai 2025 als bester Nebendarsteller ausgezeichnet — vor den ebenfalls nominierten Alexander Scheer (gleich doppelt nominiert). Es war nach zwei vorherigen Nominierungen (2020, 2022) sein erster Gewinn der begehrten Lola, der wichtigsten deutschen Filmauszeichnung.
Die Auszeichnung kam zu einem Zeitpunkt, an dem Giese ohnehin eine seiner produktivsten Phasen erlebte: 2023 gewann er den DAfFNE-Preis der Deutschen Fernsehakademie als bester Schauspieler für „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ (als Fred Wiener, Hauptrolle), dazu den Ensemble-Sonderpreis der TeleVisionale für „Sörensen fängt Feuer“ (als Jürgen). 2020 hatte er bereits den Hessischen Fernsehpreis als bester Schauspieler für „Unschuldig“ (als Uwe) erhalten, 2024 folgte der Darstellerpreis des Achtung Berlin Filmfestivals für „Und dass man ohne Täuschung zu leben vermag“. 2024 war er zudem für den Quotenmeter-Fernsehpreis als bester Darsteller eines Fernsehfilms für „Sie sagt. Er sagt.“ (als Christian Thiede) nominiert.

Godehard Giese privat: Coming-out und die Initiative #actout
Im Februar 2021 machte Godehard Giese sein Privatleben zum öffentlichen Thema — und zwar mit einer Geste, die weit über ihn selbst hinauswirkte: Gemeinsam mit 184 weiteren lesbischen, schwulen, bisexuellen, queeren, nicht-binären und trans* Schauspielerinnen und Schauspielern outete er sich im SZ-Magazin. Das Manifest #actout, veröffentlicht am 5. Februar 2021, forderte mehr Akzeptanz und Anerkennung von LGBTIQ*-Personen in der Gesellschaft sowie innerhalb der deutschsprachigen Film-, Fernseh- und Theaterbranche.
Initiiert wurde #actout von Karin Hanczewski, Eva Meckbach, Godehard Giese und Mehmet Ateşçi. Die Aktion sorgte bundesweit für Schlagzeilen und gilt als einer der wichtigsten Momente queerer Sichtbarkeit in der deutschen Kulturbranche der vergangenen Jahre. Giese, der in Berlin lebt, äußert sich seitdem immer wieder zu Fragen von Diversität und Repräsentation — stets sachlich, nie plakativ. Über einen Partner oder Details seines Beziehungslebens ist öffentlich nichts bekannt; der Schauspieler hält diesen Bereich konsequent privat.
Auszeichnungen in Auswahl
- 2025: Deutscher Filmpreis — Bester Nebendarsteller („Sad Jokes“)
- 2024: Achtung Berlin Filmfestival — Bester Darsteller („Und dass man ohne Täuschung zu leben vermag“)
- 2024: Quotenmeter-Fernsehpreis — nominiert als bester Darsteller eines Fernsehfilms („Sie sagt. Er sagt.“)
- 2023: DAfFNE (Deutsche Fernsehakademie) — Bester Schauspieler („Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“)
- 2023: TeleVisionale — Sonderpreis für das Ensemble („Sörensen fängt Feuer“)
- 2022: Deutscher Filmpreis — nominiert als bester Nebendarsteller („Niemand ist bei den Kälbern“)
- 2022: Festival des deutschen Films Ludwigshafen — schauspielerische Ensemble-Leistung („Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“)
- 2020: Hessischer Fernsehpreis — Bester Schauspieler („Unschuldig“)
- 2020: Deutscher Filmpreis — nominiert als bester Nebendarsteller („Es gilt das gesprochene Wort“)
- 2018: Preis der deutschen Filmkritik — nominiert als bester Schauspieler („Liebmann“)
- 2015: Achtung Berlin Filmfestival — Bester Schauspieler („Im Sommer wohnt er unten“)
- 2014: Achtung Berlin Filmfestival — Beste Produktion („Die Geschichte vom Astronauten“, als Regisseur/Produzent)
Filmografie in Auswahl
Kino: Die Geschichte vom Astronauten (2014, auch Regie/Drehbuch/Produktion), Stromberg – Der Film (2014), Das Hotelzimmer (2014), Liebmann (2016), A Cure for Wellness (2016), Transit (2018), Mack the Knife – Brechts Dreigroschenfilm (2018), Niemand ist bei den Kälbern (2021), Es gilt das gesprochene Wort (2020), Sad Jokes (2024, als Prof. Dr. Finkelbach), Wunderschöner (2025, als Philipp)
Fernsehen (Auswahl): Tatort: Liebeshunger (2007), Tatort: Satisfaktion (2007), Tatort: Bluthochzeit (2010), Tatort: Leben gegen Leben (2011), Tatort: Fette Hunde (2012), Tatort: Kalter Engel (2013), Tatort: Goldbach (2017), Tatort: Erbarmen, zu spät (2022), Der Kriminalist, SOKO 5113, Wilsberg – Doktorspiele (2009), Wilsberg – Gegen den Strom (2013), Deutschland 83 (2015, als Oberstleutnant Karl Kramer), Unschuldig (2020, als Uwe), Die Wannseekonferenz (2022), Souls (2021, als Vincent), Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster (2021, als Fred Wiener), Sörensen fängt Feuer (2022, als Jürgen), Sie sagt. Er sagt. (2023, als Christian Thiede), Babylon Berlin (2017–2024, als Wilhelm Böhm)
Weitere Details zu Leben und Karriere finden sich unter anderem bei Wikipedia, in seinem IMDb-Profil, in einem ausführlichen Interview auf filmportal.de sowie in der Übersicht zur Verleihung des Deutschen Filmpreises 2025. Hintergrund zur Initiative #actout liefert die Wikipedia-Seite zu #actout; zu seinem Regiedebüt die Wikipedia-Seite zu „Die Geschichte vom Astronauten“. Seine Rolle in „Deutschland 83″ ist unter anderem auf der englischen Wikipedia-Seite zur Serie dokumentiert.
Häufig gestellte Fragen
Wie alt ist Godehard Giese?
Godehard Giese ist 54 Jahre alt. Er wurde am 20. Oktober 1972 in Bamberg geboren.
Woher kommt Godehard Giese?
Er wurde in Bamberg geboren und wuchs in Hamburg auf. Heute lebt er in Berlin.
Wen spielt Godehard Giese in „Babylon Berlin“?
Von 2017 bis 2024 spielte er Kriminaloberkommissar Wilhelm Böhm — den erzkonservativen Gegenspieler von Gereon Rath und Charlotte Ritter in der ARD/Sky-Serie.
Wofür hat Godehard Giese den Deutschen Filmpreis bekommen?
2025 wurde er als bester Nebendarsteller für seine Rolle als Gero in Fabian Stumms Tragikomödie „Sad Jokes“ (2024) mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Zuvor war er 2020 und 2022 in derselben Kategorie nominiert.
Was ist #actout?
#actout ist eine Initiative für mehr Akzeptanz und Anerkennung von LGBTIQ*-Personen in der deutschsprachigen Film-, Fernseh- und Theaterbranche. Sie wurde am 5. Februar 2021 mit einem gemeinsamen Coming-out von 185 Schauspielerinnen und Schauspielern im SZ-Magazin gestartet; Godehard Giese gehört zu den vier Initiatoren.
Hat Godehard Giese auch Regie geführt?
Ja. Sein Langfilm-Regiedebüt „Die Geschichte vom Astronauten“ (2014) — für das er auch Drehbuch und Produktion übernahm und in dem er die Rolle des Robert spielte — lief im Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis und wurde beim Festival Achtung Berlin als beste Produktion ausgezeichnet.
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- Karoline Schuch: Biografie, Filme und die neue „Tatort“-Rolle als Elli Krieger
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